07.02.2018

Im derzeit populärsten Fall der digitalen Währungen wird durch die Blockchain ein Ausschalten des Mittelmanns möglich, in diesem Fall der Banken. Eine öffentliche Blockchain (public blockchain)  ist per se dezentral, da alle Nutzer jederzeit Zugriff auf den aktuellen Datensatz haben, der gleichzeitig die gesamte Historie abbildet. Die Dezentralität und eine mächtige Verschlüsselung macht sie sehr sicher gegenüber Fälschungen und Hackerangriffen. Die Technologie wird deshalb auch als “distributed trust system” bezeichnet. Transaktionen werden ausschließlich über die Technologie und die sogenannten Miner verifiziert und sind unendlich lange nachvollziehbar, weil jede Transaktion unwiderruflich gespeichert wird. 

Im Optimalfall sind die Transaktionen im Vergleich zum traditionellen Bankensystem sehr schnell und kostengünstig, gerade bei internationalen Transfers. Außerdem sind die Währungen unabhängig von Schwankungen, die durch die politisch beeinflussten Interventionen von Zentralbanken ausgelöst werden. Gleichzeitig fehlt dadurch aber auch jeglicher Schutz durch Staaten. Der bis dato unregulierte Markt ist außerdem extrem volatil und anfällig für Marktmanipulationen.Diese Vorteile wecken Begehrlichkeiten, so dass viele Unternehmen und Staaten die Blockchain-Technologie mittlerweile genau auf individuelle Verwertungsmöglichkeiten prüfen. Wir wollen einige bekannte Cases vorstellen und Ideen skizzieren, in welche Richtung sich der Markt in diesem Jahr entwickeln könnte. 

Ein soziales Netzwerk in den Händen der Nutzer 

Viele Menschen ärgern sich verstärkt darüber, dass soziale Netzwerke wie Facebook oder Instagram über alle Nutzerdaten verfügen und diese zu unterschiedlichen Zwecken vermarkten, primär für die gezielte Aussteuerung von Werbung. Zudem stehen bei vielen Netzwerken auch immer wieder Fragen der Sicherheit, Privatsphäre und Transparenz in der Diskussion. Gut vorstellbar also, dass erfolgreiche soziale Netzwerke zukünftig auf der Blockchain aufbauen und damit Macht in die Hände der Nutzer zurückgeben. Weitere Vorteile entstehen durch die Kombination mit einer Kryptowährung: So kann der Handel zwischen den Usern als peer-to-peer commerce darstellt werden, Nutzer können ihre Daten selbst vermarkten oder für Dienstleistungen durch das Netzwerk entlohnt werden. Ein existierendes Beispiel ist das Netzwerk Steemit, das sich in der Beta-Phase befindet. Hier werden Nutzer für Inhalte in Tokens belohnt, wenn diese von anderen Teilnehmer gelikt und somit als wertvoll geachtet werden.

Smart Contracts und Transparenz für Logistik-Branche

Logistik-Dienstleister müssen zahlreiche Datensatzänderungen von verschiedenen Rollen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in einen Vorgang integrieren. Ein Beispiel: Eine Lieferung Bananen durchläuft zahlreiche Schritte, etwa die Vollständigkeitsprüfung beim Versenden, die Kontrolle durch den Zoll oder die Endabnahme beim Empfänger. Entsprechend kompliziert und aufwändig sind logistische Prozesse. Hier bietet sich die Blockchain an - alle Einträge können in ihr vorgenommen werden und bleiben nachvollziehbar. Mit Hilfe eines Smart Contracts können Prozesse automatisiert vollendet werden, wenn alle Bedingungen erfüllt wurden. Damit kann beispielsweise automatisch eine Zahlung ausgelöst werden, wenn die Lieferung beim Kunden angekommen und bestätigt worden ist. Die Smart Contract-Funktionalität wurde durch das Ethereum-Protokoll erfunden, das durch die Kryptowährung Ether und den Gründer Vitalik Buterin bekannt geworden ist. Diese Vorteile haben wohl auch Maersk überzeugt. Der Logistik-Riese entwickelt zusammen mit IBM eine globale Plattform basierend auf der Blockchain. So sollen Transportkosten gesenkt, Transparenz erhöht und die Ineffizienz von analogen Prozessen verbessert werden. 

All along the supply chain 

Ein Kernthema in industriellen Prozessen ist die möglichst umfassende Kontrolle der Lieferkette. Ähnlich der Anforderungen in der Logistikbranche können die einzelnen Schritte der Lieferkette in der Blockchain abgewickelt werden. Auch für die Kommunikation des Herstellers zum Endverbraucher kann das sehr interessant sein: gerade bei Produkten, die mit Nachhaltigkeit überzeugen sollen, können Herkunft und Verarbeitungsschritte von Rohstoffen transparent dargestellt werden. 

Datenhoheit liegt bei Patienten 

Wer öfter zu Arztbesuchen gezwungen ist, kennt es: Die eigenen Daten sind bei verschiedenen Stellen wie Hausarzt oder Krankenhaus verteilt, nicht selten müssen Untersuchungen oder Impfungen aufwändig wiederholt werden, weil keine Klarheit über den Status quo herrscht. Diese Daten ließen sich auf einer Blockchain speichern, der Besitzer kann als Einziger Freigaben erteilen, beispielsweise für einen behandelnden Arzt oder die abrechnende Krankenkasse. Neben der hohen Verfügbarkeit und Sicherheit spielt der Schutz gegen Manipulation eine große Rolle. Einer Studie von IBM zufolge wollen 16 Prozent der befragten US-Unternehmen im Gesundheitswesen noch dieses Jahr  Blockchain-Lösungen implementieren. 

Plattform für den direkten Handel zwischen Produzenten und User

Die Sängerin Imogen Heap hat eine Plattform auf Blockchain-Basis namens Mycelium gegründet, über die Musiker ihre Werke direkt ihren Fans anbieten können. Das Konzept: Musiker laden ihre Songs auf das Portal hoch, hinterlegt werden auch die rechtlichen Bestimmungen und Verkaufskonditionen. Als Smart Contract konzipiert, erfüllt der Käufer durch Zahlung den Vertrag und erhält damit die vordefinierten Rechte. Automatisch wird auch die Zahlung der Plattform an den Künstler ausgelöst. Ein sehr ähnliches Konzept verfolgt die chinesische Tron Foundation mit der Platform Tron. Durch eine Kombination aus Blockchain und der Kryptowährung Tronix soll eine globale Plattform für den Handel für digitale Unterhaltungsprodukte wie Videos, Musik oder Games entstehen. Als proof of concept wird gerade das Spiel Cryptodogs ausgerollt. 

Basis für behördliche Anwendungen

Ein Kernbereich staatlicher Gewalt ist die klare Feststellung von Identitäten, um Rechtssicherheit für die Bürger zu garantieren. Ein weiteres wichtiges Feld ist die Dokumentation von Besitzverhältnissen, beispielsweise von Grundstücken. Auf diesen Feldern werden momentan noch ein kosten- und zeitaufwändiger notarieller Service und zentrale behördliche Strukturen benötigt. Schon bald jedoch könnten Identitäten und Besitzverhältnisse unter staatlicher Kontrolle in Blockchain-Strukturen dargestellt werden. Das würde wiederum weitere staatliche Funktionen ermöglichen, wie beispielsweise die Durchführung von Wahlen.