13.09.2019

Herr Wilhelm, welche Ziele verfolgt Geberit mit dem Einsatz von Design Sprints? 

Design Sprints sind bei uns im Unternehmen an verschiedenen Stellen im Einsatz, wenn neue Lösungen für Tools oder Services entstehen sollen. Ziel ist es, die Kreativität der Teilnehmer anzuzapfen, die Erwartungen zu bündeln und in Übereinstimmung zu bringen.
 
Wir arbeiten meist mit Methoden, die auch schon erste Scribbles oder Wireframes erzeugen. Diese können dann sehr gut in der weiteren Evaluation und Projektarbeit eingesetzt werden. Zudem haben wir ein eigenes Team im Bereich Digital, das sich ausschließlich mit der agilen Entwicklung von Prototypen und deren Validierung beschäftigt. Hier werden Design Sprints regelmäßig durchgeführt.

Welche Vorteile sehen Sie in dieser Methode insbesondere für die Industrie?  

In prozess- und technikgetriebenen Unternehmen haben es Kreativität, Intuition und Spontanität oft schwer, sich gegen die (vermeintlichen) Fakten, Erfahrungen und das Fachwissen durchzusetzen. Ideation oder Lean Design helfen hier, diese Potenziale ans Licht zu bringen.
 
Gerade mit Gruppenteilnehmern aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen wird durch die schnelle, eher auf Quantität der Ideen gerichtete, Vorgehensweise das Fachwissen relativiert. Das hilft oft, Silodenken und -verhalten zu überwinden.
 
Es werden schnell sichtbare Ergebnisse produziert, die im weiteren Verlauf eines Projektes direkt diskutiert, aber auch präsentiert werden können. Und es macht Spaß. 

Gibt es denn auch Herausforderungen, die Ihnen begegnen?  

Ja. Oft finden Teilnehmer nicht den Mut, einfach ihre Ideen zu äußern, ohne sie zu Ende gedacht zu haben. Manche fühlen sich durch den schnellen Takt der verschiedenen Runden unter Druck gesetzt.
 
Kollegen, die keine Erfahrung mit agilen Methoden haben, beklagen die Oberflächlichkeit und mangelnde Ernsthaftigkeit der Arbeit und auch der Ergebnisse. Diese wirken für Außenstehende manchmal wie Spinnereien. Oft sind sie auch recht visionär und weit weg vom Tagesgeschäft und aktuellen technischen Möglichkeiten. Aber gerade aus der losgelösten Ideensammlung entspringt eine neue Denkweise, die die Gruppe weiter bringt.   

Welche Erfahrungen haben Sie mit den erarbeiteten Prototypen gemacht? 

Wir nutzen die Prototypen zum einen zur internen Präsentation von Ideen und Konzepten. Das funktioniert viel besser als eine Beschreibung auf einem Canvas o. Ä. Manchmal ist es einfach nur ein Post-It-Prototype. Manchmal konnten wir auch ein Set aus Screens schon auf dem Mobile zeigen.
 
Zum anderen validieren wir die Prototypen auch mit potentiellen externen Nutzern. Wir waren selbst überrascht, mit welch einfachen Mitteln man sogar mit Fachzielgruppen diskutieren kann. Hier braucht es keine fertig programmierten Dummies – ein paar Wireframes reichen oft völlig aus.

Welche Tipps haben Sie für Unternehmen, die noch keine Designs Sprints durchgeführt haben? 

Bei (internen) Teilnehmern hilft es extrem, wenn sie Vorwissen in agilen Methoden haben. Zumindest eine Stunde agile Theorie vor dem Design Sprint erleichtert es den unerfahrenen Teilnehmern, sich einzubringen und die Ergebnisse wertzuschätzen.
 
Am Anfang sollten verschiedenen Methoden ausprobiert werden, um Vorgehensweisen zu finden, die zur Gruppe passen. Es braucht in jedem Fall einen erfahrenen Moderator, der den Sprint führt und die Methode gut kennt. Insbesondere bei sehr heterogenen Gruppen (aus verschiedenen Bereichen und Erfahrungsstufen) empfiehlt sich eine externe Person, die Neutralität in den Prozess einbringt.

Herr Wilhelm, vielen Dank für das Gespräch und die interessanten Einblicke!

Sind Sie auch auf der Suche nach einer schnellen Problemlösung, wissen aber noch nicht so richtig, wie Sie dabei vorgehen sollen? Kein Problem. Am 22. Oktober veranstaltet TWT gemeinsam mit dem bvik einen Design-Sprint Workshop in Düsseldorf.

Die Teilnehmer lernen unter Anleitung der TWT UX-Experten und anhand anschaulicher Beispiele ausgewählte Methoden der Umsetzung kennen. Sie erfahren, worauf Sie bei der Durchführung von Design-Sprints unbedingt achten müssen und wie Sie die Vorteile auch für Ihr Unternehmen nutzen können. 

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