11.12.2019

Die Bank als digitales Ökosystem

Ökosystem – gemeint ist das Zusammenspiel mehrerer Akteure, um eine gemeinsame Wertschöpfung zu betreiben. Den Kern eines solchen Systems bildet ein Anbieter einer Plattform auf der Komplementoren als Drittanbieter ihre Services oder Produkte platzieren. Endkunden decken dann aus dem Gesamtangebot der Plattform ihren individuellen Bedarf. Bei einem Banking-Ökosystem kann eine Bank im Zentrum stehen oder eigene Dienste auf ein bestehendes Ökosystem eines Kooperationspartners ausrollen. 

Laut der aktuellen GfK-Studie suchen und vergleichen Kunden Finanzprodukte überwiegend online. 60 Prozent der Verbraucher nutzen dafür ihr Handy, um sich vorab zu informieren. Für Banken genügt es längst nicht mehr Technologien zu nutzen. Vielmehr geht es darum, auch Services zu finden, die so attraktiv sind, dass Kunden bereit sind ihre Daten zur Verfügung zu stellen. Nur so gelingt ihnen der holistische Blick auf den Kunden, seine Lebenssituation und Bedürfnisse. Ein Beispiel: Interesse an Darlehen erkennen und ein passendes Angebot senden. 

“Eine Banking-App ist eine gute Basis. Aber künftig wahrscheinlich nur noch der Startpunkt eines digitalen Ökosystems. Es gibt noch viel mehr: Zum Beispiel könnte eine Versicherungen bei einer Abbuchung eines Geldautomaten im Ausland automatisch den Reiseversicherungsschutz aktivieren”, erklärt Patrick Dörfler, Director Finance & Service Industries bei TWT. So kommt die Zahlungsdienstleistung im Servicepaket zum Kunden.

Open Banking beyond Banks

In zehn Jahren wird die arbeitende Bevölkerung zu zwei Dritteln aus Digital Natives bestehen. Schon jetzt erwarten Kunden von ihrem Kreditinstitut ein intuitives Nutzererlebnis und attraktive Mehrwertangebote. Das erkennen auch große Tech-Konzerne wie Google, Amazon und Co. und betreten mit neuen Finanzdienstleistungen den Markt. 

Auch die neue Zahlungsrichtlinie PSD2 (Payment Services Directive) der Europäischen Kommission beeinflusst das traditionelle Monopol der Banken. Sie sind nicht mehr die alleinigen Herrscher über die Kontoinformationen ihrer Kunden. Die PSD2 definiert klare Regeln für die Nutzung von Onlinebanking oder Kontoinformationsdiensten zur Abfrage und Auswertung von Kontodaten und ermöglicht so Drittanbietern mehr Transparenz und einen fairen Wettbewerb.

Die Richtlinie verpflichtet Banken dazu, Drittanbieter über offene Schnittstellen – den sogenannten APIs (Application Program Interface) – Zugriff auf die Konten ihrer Kunden zu gewähren. So können nicht nur Banken Dienstleistungen anbieten, die auf Transaktionsdaten der Kundenkonten beruhen. Diese ermöglichen dem Verbraucher ihre Finanzen zu verwalten, ihr Ausgabeverhalten zu analysieren oder ihre Kontoinformationen von mehreren Banken als Übersicht zusammenzufassen. Damit die Zahlungsauslöse- sowie Kontoinformationsdienstleister diese Services anbieten können, brauchen diese aber explizit die Erlaubnis und den Kontozugang des Verbrauchers.

Seit 14. September 2019 gilt hierfür die Verpflichtung der sogenannten „starken Kundenauthentifizierung“. Das bedeutet: Online- und Kartenzahlungen müssen nun grundsätzlich durch zwei unabhängige Merkmale aus den Kategorien Wissen (Pin, Passwort), Besitz (Tan-Generator, Handy, Karte) und Inhärenz (Fingerabdruck) bestätigt werden. Verbraucher sind so besser gegen Missbrauch oder Betrug bei Kartenzahlungen geschützt.

 

Plattform-Ökonomie gehört die Zukunft

Kreditinstitute, die aus ihrer traditionellen Rolle ausbrechen und auf den Trend der digitalen Ökosysteme aufspringen, sind langfristig gesehen zukunftsfähiger. In Zusammenarbeit mit Fintech-Startups können Banken neue Services testen und schneller auf Veränderungen reagieren. 

Einige internationale Banken setzen bereits erfolgreich auf digitale Plattformen für Ökosysteme und haben dafür konkrete Strategien entwickelt. Nach einer aktuellen Umfrage plant jedes dritte Institut in Europa den Ausbau eines solchen Systems.

Doch Deutschland liegt im internationalen Vergleich noch zurück: “Während im Ausland einige Banken schon gut voranschreiten, gibt es hierzulande erste Pläne, eine konkrete Umsetzung fehlt aber in weiten Teilen noch. Gerade bei mittelständischen Instituten herrscht eher eine abwartende Haltung. Was hier fehlt ist Mut und eine klare strategische Positionierung”, so Dörfler.

Nur Innovatoren, die sich technologisch oder mit besonderem Service Design hervorheben, werden in der Lage sein, überzeugende Angebote zu schaffen, die letztlich auch den kritischen Endverbrauer dazu bewegen seine Daten freizugeben. 

 

Unsere Experten beraten Sie gern zum Thema Digitale Strategien in der Finance & Service Industrie.