15.08.2012

Die Umsätze pro Quadratmeter Laden-Verkaufsfläche schrumpfen dahin, während auf anderer Seite die Kosten für Lagerung, Miete und Service stetig steigen. Hochwertige Güter im oberen Preissegment sind von dieser Entwicklung besonders stark betroffen. Autohäuser mit großer Präsentationsfläche in direkter Innenstadtlage – Das wird immer seltener bis kaum mehr vorstellbar. Der Automobilkonzern Audi will nun einen Weg gefunden haben, um dennoch unmittelbar in der City potenzielle Kunden optimal ansprechen zu können.

 

Im Fokus der neuen Strategie stehen sogenannte digitale Showrooms, oder auch Cyberstores genannt. Dabei werden konventionelle Vorführflächen durch den digitalen Verkauf ersetzt und die Autos nicht mehr real, sondern virtuell präsentiert. Der Ingolstädter Autohersteller startet demnach mit der ersten „Audi City” in unmittelbarer Nachbarschaft zum Piccadilly Circus in London.

 

Was auf den ersten Blick aussieht wie eine moderne Lounge ist in Wirklichkeit ein voll digitalisierter Store. Die Wände dienen in ihrer vollen Ausprägung als Projektionsfläche für lebensechte Autos im Maßstab 1:1 und zeigen jedes noch so kleine Highlight. Die gesamte Modellvielfalt Audis kann dabei von Kunden individuell genutzt und aus einer Vielzahl an möglichen Konfigurationen ausgewählt werden. Selbst sonst verbogene Details wie LED-Lichttechnologien, Beschaffenheit der Karosserie oder Antriebsstange werden so intuitiv zugänglich. Immer dabei: Der „Kundenbeziehungsmanager”, eine Art Verkäufer, der die Rolle eines zentralen und dauerhaften Ansprechpartners einnimmt. Audi unterstreicht darüber hinaus, dass jeder Audi-City-Standort an ein „zentrales Kompetenzzentrum” in Form von entsprechenden Händlerbetrieben angeschlossen sein soll. Obwohl Kunden das Wunschauto nicht haptisch wahrnehmen können, wird dennoch eine hohe Emotionalität über die Interaktivität des Showrooms vermittelt und erlebbar gemacht.

Miele und Audi machen's vor

Auch Miele bietet seit diesem Jahr eine ähnliche Lösung: Mit dem „Kitchen Appliance Visualizer” können Nutzer ihre Traumküche per Touchscreen virtuell kreieren. Das interaktive Produkterlebnis findet dabei auf digitaler Ebene statt. Während der Produktpräsentation kann die realitätsgetreue Küche individuell begangen werden. Ob Kochfelder, Öfen oder Dampfgarer – per Drag-and-Drop haben Nurtzer die Möglichkeit, unterschiedlichste Einbauelemente in die virtuelle Küche einzufügen. Ihre persönliche Konfiguration kann anschließend via E-Mail-Feature an einen zuständigen Händler gesendet und bestellt werden. Zukünftig soll der virtuelle Küchendesigner in den eigenen Miele-Galerien zum Einsatz kommen.

 

Potenzial erkannt und genutzt? Vorreiter wie Audi und Miele unterstreichen die Relevanz von digitalen Showrooms oder auch Cyberstores und zeigen darüber hinaus, wie die Zukunft des stationären Handels aussehen könnte. Neben einem ganzheitlich digitalem Konzept steht aber besonders die enge Verzahnung von Offline- und Online-Welt im Fokus. Multi- und Cross-Channel-Ansätze gewinnen hierbei besonders an Bedeutung und eröffnen dem stationären Handel hervorragende Möglichkeiten.

 

 

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