20.04.2015

Die Digitalisierung hat enorme Auswirkungen auf alle Unternehmen weltweit. Die größten Herausforderungen und Chancen eines digitalisierten Geschäftsmodells liegen in einer stärkeren Kundenzentriertheit, intelligentem Daten-Management und einer operativen Innovations-Kompetenz. Diese werden ergänzt durch Automatisierungs-Fähigkeit, interdisziplinäre Vernetzung, eine skalierungsfähige IT-Infrastruktur sowie Agilität und integriertes Lernen in der Umsetzung. Doch wie können Unternehmen dies erreichen? TWT Geschäftsführer Hans J. Even gibt Antworten.

Hans-Jürgen, die Digitale Transformation hat disruptive Auswirkungen auf beinah alle Branchen. Welche Gründe und Ursachen führen zu dieser Entwicklung?

Die zunehmende Digitalisierung wirbelt viele Branchen nicht nur auf, sondern schaffte gänzlich neue Geschäftsmodelle, Produkte, Services und Marktstrukturen. Bisherige Kräfte- und Wettbewerbsverhältnisse änderten sich massiv – und tun es immer stärker. Unternehmen bekommen schlagartig erfolgreiche Wettbewerber aus anderen Branchen mit Kompetenzen, die Ihnen selbst fehlen. Sie haben die Kraft binnen weniger Monate erfolgreich zu sein und das Geschäftsmodell bestehender Marktplayer stark in Frage zu stellen. Startups oder internationale Online-Pure Player können mit einer einzigen guten Idee, Service, Produkt oder App altgedienten Branchen-Riesen die Stirn bieten und zu einer ernstzunehmenden Konkurrenz werden. In der Musik-, Verlags- oder Tourismusindustrie und Handel gab es bereits entscheidende Veränderungen durch die Digitalisierung. Jetzt sind auch alle anderen Branchen betroffen.

Wichtig ist, jetzt zu handeln. Man sollte die Digitalisierung als Chance begreifen, nicht als Gefahr. Wer jetzt agiert, wird viele wichtige Vorteile aus der Entwicklung ziehen. In Zukunft werden auch Firmen aus der Industrie, Automotive, Maschinenbau, Banken und Versicherungen noch starke Veränderungen erleben. Die Geschwindigkeit, mit der sich Märkte und Branchen durch die digitale Transformation verändern ist und bleibt extrem hoch und ist nicht mit historisch bekannten Zyklen zu vergleichen.

Ist die digitale Transformation also für alle Unternehmen ein Muss?

Wer sich mittel- und langfristig erfolgreich am Markt behaupten möchte, für den ist die Digitalisierung ein absolutes Muss, ja. In einem extrem schnellen Tempo entstehen immer neue Technologien, Services und Produkte. Wer die Zukunft seines Unternehmens sichern möchte, muss moderne Technologien zum Einsatz bringen und ein individuelles Produkt- und Service-Konzept aus Kundensicht entwickeln, um sich gegenüber den Mitbewerbern weiter behaupten zu können. Um dies zu erreichen, gilt es, althergebrachte Strukturen, Prozesse, Kompetenzen und Techniken auf den Prüfstand zu stellen, anzupassen, anzuwenden, schnell zu lernen und sich nicht in Perfektion zu verlieren. Firmen wie Google, Apple, Amazon und Facebook machen vor wie es funktioniert.

Wo siehst Du die größten Herausforderungen?

Ich würde nicht von Herausforderungen sondern von Chancen sprechen, denn das sind sie tatsächlich auch. Die erste große Chance für Unternehmen ist die Entwicklung von wirklich kundenzentrierten Produkten und Services. Kunden haben heute viel mehr Informationen zur Verfügung und sind deutlich selbstbestimmter als es noch es in der Vergangenheit der Fall war. Zum Beispiel machen Kundenbewertungen und Rezensionen in Online Shops die Qualität eines Produkt oder Services transparent. Unternehmen müssen ihre Kunden kennen, verstehen und automatisiert bzw. digital helfen, begleiten und zufriedenstellen. Die Kommunikation, das Angebot und die aktive Begleitung über alle Kanäle hinweg ist erfolgsentscheidend.

Die zweite Chance ist wirkliches Data Management, also die vom Kunden gewonnenen bzw. bereitgestellten Informationen wirklich zu nutzen, um Produkt und Service zu verbessern bzw. neue Services überhaupt erst möglich zu machen. Die intelligente und smarte Nutzung genau dieser Daten ist eine wichtige Unternehmenskompetenz, die es aufzubauen und zu entwickeln gilt. Wir müssen weg von Big Data hin zu Smart Data. So wird die erfolgreiche Personalisierung im Marketing möglich, aber auch eine effizientere Steuerung jeglicher Unternehmens-Prozesse.

Die dritte große Chance besteht darin, die Innovationsfähigkeit durch eine agile neue Art des Arbeitens, im Unternehmen und mit Partnern, Zulieferern und Kunden zu steigern. Wichtig ist einen Ansatz zu entwickeln, wie Unternehmen es schaffen können, in Projekte, Ergebnissen, Abteilungs-, Bereichs- und Standort-übergreifend zu arbeiten und über Unternehmensgrenzen hinweg zu denken und wirklich kollaborativ zusammenzuarbeiten. Benchmark sind auch hier wieder die großen digialen Player. Schnelle erste Prototypen, erste Leuchtturmprojekte sind der Start. Gepaart mit Lernbereitschaft, Offenheit, Feedbackkultur und Verantwortungsdelegation an die Stelle, wo Entscheidungen am besten getroffen werden können, entwickelt sich eine neue, erweiterte Unternehmenskultur des Lernens, für Innovation und digitale Transformation. Sie ermöglicht schnell, flexibel und effizient auf Veränderungen eingehen zu können und Chancen zu nutzen und nicht in Risiken zu erstarren.

Was können Unternehmen nun konkret tun?

Vieles, entlang ihrer gesamten Wertschöpfungskette. Egal ob im Marketing, Vertrieb, Service oder der Produktion: Bereits heute gibt es enorm viele spannende Projektkandidaten, die Digitalisierungs-Potenzial für Unternehmen erschließen können. Dabei ist es wichtig, nicht nur in einzelnen Projekten oder Piloten zu denken, sondern auch parallel eine übergreifende Strategie der digitalen Transformation zu entwickeln.
Wir empfehlen zudem zur Identifikation das Denken und Identifizieren neuer Produkte und Services aus Kundensicht. Dies verbunden mit einer neuen Einstellung der Unternehmen bisherige Silo- und Abteilungsdenken zu überwinden und wieder Mut zu haben, etwas Neues zu schaffen ist wichtig für den Erfolg. Digital Denken und Handeln muss dabei sowohl im Top-Management unterstützt und vorgelebt sowie bewusst Verantwortlichkeiten in der gesamten Organisation geschaffen werden.

Fazit

Für Unternehmen ist es unerlässlich, eine übergeordnete Strategie mit interdisziplinären Teams für ihr Unternehmen zu entwickeln. Kompetenzträger aus allen Bereichen sollten gemeinschaftlich mit externen Experten, Kunden und Partnern zusammenarbeiten. Dabei gibt es keine vorgefertigte Lösung nach dem Baukasten-Prinzip, sondern ein innovationsorientiertes digitales Transformations-Framework und Methodenset, das es Unternehmens und Potenzialorientiert anzuwenden und erfolgreich zu implementieren gilt. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir gerne erfolgreiche Transformations-Modelle und Konzepte und helfen diese auch operativ umzusetzen.