20.02.2019

Virtual Reality erweitert Trainingsmöglichkeiten

Das Anwendungspotential von Virtual Reality (VR) im Sport ist groß, vor allem im Trainingsbereich. Im Vergleich zu klassischen Trockenübungen bietet Virtual Reality audiovisuelles Feedback, das echten Spielsituationen eher ähnelt. Dadurch wird das Training deutlich effektiver. Außerdem sinkt das Verletzungsrisiko, was gerade in Risikosportarten ein großes Thema ist. Das gilt beispielsweise für American Football, das durch den Nachweis von sportbedingten Hirnkrankheiten in die Schlagzeilen geraten ist. Als Vorreiter von VR-Anwendungen in der Branche gilt das US-Unternehmen STRIVR, die für ihre VR-Plattform die Oculus Rift Brille nutzt. Da die Trainingsdauer der Football-Teams durch die US-Verbände limitiert ist, ist die Schaffung von spielähnlichen Situationen außerhalb des Wettbewerbs sehr wichtig. Mit der VR-Anwendung lässt sich zum Beispiel das Ausführen eines Fieldgoals simulieren. Der Kicker führt dafür zunächst Fieldgoals unter realen Trainingsbedingungen durch, während er eine spezielle Kamera am Körper trägt. So lässt sich die Situation später rekonstruieren und der Spieler kann virtuell kicken. Für Quarterbacks gibt es ähnliche Trainings-Simulationen. Auch die Basketball-Teams Washington Wizards und Detroit Pistons nutzen STRIVR, unter anderem für das Üben von Freiwürfen. Die Spieler können sich ihre eigenen Freiwürfe in VR anschauen. Hier wird allerdings deutlich: es handelt sich eher um ein interaktives, dreidimensionales Video und im engeren Sinn nicht um VR, wie im Football-Beispiel. 

Streaming-Dienste rollen den Sportmarkt auf

Massiv verändert sich auch der Medienmarkt im Zuge der Digitalisierung, genauer gesagt durch technische Innovationen und stark verändertes Nutzerverhalten. Wie die Unterhaltungsbranche durch Netflix und Spotify disrupiert wurde, verändert sich jetzt auch das Sport-Entertainment stark. Momentan tonangebend ist der Anbieter DAZN aus den USA. DAZN (gesprochen “dasoun”) bietet hochwertige Inhalte aus verschiedenen Premium-Sportarten wie europäischen Fussball oder American Sports. Das Pricing-Konzept – Flatrate-Preis mit monatlicher Kündbarkeit – ist zu einer Art DNA der Digitalisierungs-Ära geworden und wird auch von DAZN genutzt. Neue Formate wie kurze Zusammenfassungen, die schnell nach Live-Events geliefert werden, setzen neue Maßstäbe in der Medienlandschaft. Einen anderen Weg geht Sporttotal.tv, das Unternehmen bietet eine stark technisch fokussierte und mit geringem Aufwand realisierbare Lösung für das Streaming von Sportereignissen im Netz. Benötigt wird nur eine einzige Kamera, die am Spielfeldrand zentral angebracht wird. Die restlichen Broadcasting-Herausforderungen, wie die Verfolgung des Spielgeschehens, Zooms auf die Protagonisten oder Wiederholungen von Szenen erledigt ein automatisierter Ablauf. Kamerateams oder Redaktionen werden nicht benötigt. So wird das Streaming auch in unterklassigen Fussball-Ligen und Sportarten wie Volleyball oder Hockey rentabel, die normalerweise nicht die hohen Reichweiten wie die Bundesliga oder Formel 1 erreichen. Das Streaming wird so deutlich regionaler und lokaler, es entstehen neue Werbemöglichkeiten. Sporttotal-Hauptsponsor Hyundai nutzt das beispielsweise, um lokalen KFZ-Händlern Werbeflächen in ihrem Heimatmarkt zu ermöglichen. Weitere Sponsoren sind Allianz, Telekom und BILD, was die Relevanz des Produkts eindrucksvoll unterstreicht. 

Digitalisieren oder Abonnements verlieren

Wer früher den Kicker oder die Sport Bild abonniert hatte, ist heute vielleicht auf Onefootball unterwegs. Das Startup aus Berlin versteht sich als Plattform für Fußballfans. Dazu gehören Nachrichten zu Ergebnissen und Statistiken mit einem Fokus auf Storytelling. Seit der Gründung 2008 hat sich Onefootball zu einem schnell wachsenden Ökosystem für Fans mit hoher Reichweite entwickelt, eng verknüpft mit den sozialen Netzwerken, über die einerseits Informationen geniert aber auch distribuiert werden. Ähnlich wie bei DAZN stehen auch bei Onefootball neuartige, kurze Formate im Mittelpunkt, die den Lesegewohnheiten in Zeiten der Digitalisierung angepasst sind. Damit scheint das Unternehmen stärker den Nerv der Generation Digital zu treffen als andere, die zwar auch Apps anbieten aber großteils das Denken aus den analogen und vormals sehr mächtigen Redaktionsstuben übernommen haben.

eSports drängt mit Macht in die Öffentlichkeit 

Einer der Megatrends in der Sportbranche ist eSports, also der elektronische Sport, oder wie Wikipedia es definiert: “der sportliche Wettkampf zwischen Menschen mit Hilfe von Computerspielen”.Neben Events wie dem SPOBIS findet sich der Business-Aspekt des eSports auch auf der Kölner Branchenmesse Gamescom wieder. Hier wird deutlich: die Begeisterung für Gaming in Deutschland wächst ständig: 3,3 Milliarden Euro wurden 2017 für Spiele, Konsolen, Soft- und Hardware ausgegeben. Leider ist die Erkenntnis über die Relevanz der Gaming-Branche und eSports hierzulande noch nicht in Politik und Wirtschaft durchgedrungen. Obwohl Millionen Menschen Videogames auf dem Smartphone oder der Konsole spielen, kommen die dominanten Hersteller überwiegend aus den USA und Asien. In der Sportbranche selbst ist der eSports längst seinem ehemaligen Nischendasein entwachsen, wie beispielsweise der SPOBIS Gaming & Media im Vorfeld der Gamescom zeigt. Nicht nur Vertreter der Gaming-Branche, sondern auch Verbände und Fussballvereine wie Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Köln treffen sich hier zum Austausch. Vorträge wie “SAP auf neuen Wegen im eSport: Learnings aus den ersten Monaten als Clan-Sponsor” zeigen die Relevanz von eSport weit über die Gaming-Branche hinaus. Kaum ein Verein der Fussball-Bundesliga, der nicht auch ein digitales Pendant für eSports hat und entsprechende Gelder investiert. Aber auch in anderen Sportarten wie Football oder Basketball ist eSports mittlerweile eine feste Größe in vielen Vereinen. So steigt jetzt auch der FC Bayern mit seiner Basketball-Abteilung als Bayern Ballers Gaming in den eSports ein. Die wirtschaftliche Bedeutung von eSports ist schon heute enorm und die Prognosen zeigen einen deutlichen Anstieg. Im Jahr 2021 wird ein weltweiter Umsatz von 1,65 Milliarden US-Dollar erwartet und damit fast eine Verdopplung der 2018 erzielten 906 Millionen US-Dollar.

Technologische Systeme helfen bei Leistungsoptimierung der Sportler

 

Ein weiterer Megatrend ist die Messung von Daten zur Überwachung und Verbesserung der Leistung von Sportler, Trainern und Analysten. Hier sticht beispielsweise Kinexon als eines der innovativsten Unternehmen im Sportbusiness hervor: Das Startup aus München bietet eine Technologie zur Erhebung und Analyse von sportlichen Leistungsdaten. Über Chips am Körper der Spieler werden in Echtzeit Daten an das Betreuerteam transferiert, sowohl im Trainingsbetrieb als auch im Wettbewerb. Stärken und Schwächen können so erkannt werden, auf dieser Basis wird die Leistung optimiert. Auch für Verletzungsprävention kann das System genutzt werden, da Belastungsspitzen erkannt werden können. Mittlerweile zählen laut Kinexon 40 Unternehmen und Vereine aus dem Sportbereich zum Kundenstamm, zumeist Vereine oder Verbände. Neben dem Heimatmarkt Deutschland ist Kinexon hauptsächlich in der US-amerikanischen National Basketball Association (NBA) tätig, mit durchaus beeindruckendem Erfolg: über die Hälfte aller Teams setzt auf die Technik des Münchner Start-ups. Zu den Investoren zählen Red Bull Media House, Wolfgang Reitzle, Gerhard Cromme und Wagniskapitalgeber Rolf Christof Dienst sowie David Blitzer, bekannt als Investor aus der NBA. 

DFL beteiligt sich an Tech-Startup Track160

Die Deutsche Fußball Liga (DFL), der Zusammenschluss der Profi-Klubs in Deutschland, hat ein völlig neues Geschäftsfeld gegründet. Nach dem Vorbild von Unternehmen und Konzernen in den USA und mittlerweile auch Europa will sich die DFL an innovativen Startups beteiligen. Der erste Partner Track160 kommt aus Israel und scheint das Business Model der DFL gut zu ergänzen. Das Startup hat ein System entwickelt, das auf Basis von Künstlicher Intelligenz –genauer gesagt Deep Learning – Bewegungen von Spieler und Sportgerät erfasst und in 3D visualisiert. Laut Track160 braucht das System im Gegensatz zu anderen Anbietern nur eine Aufzeichnung eines Spiels und keine GPS-Daten, Sensoren oder spezielle Kamerasysteme. Durch diesen geringen technischen Aufwand könnte das Angebot für viele Vereine interessant sein, auch für Amateurclubs aus niedrigeren Ligen. So zeigt sich ein typischer Effekt der Digitalisierung, der aus anderen Branchen bekannt ist: Immer bessere Produkte und Dienstleistungen werden einer immer größeren Menge von Nutzern zugänglich, das allgemeine Qualitätsniveau steigt in einer bis dato ungekannten Weise.

Neue Form der Zusammenarbeit

Genauso spannend wie die Dienstleistung von Track160 ist die Form der Kooperation der beiden Partner. Unter dem Schlagwort „DFL for Equity“ setzt die DFL vor allem ihr eigenes umfangreiches Datenarchiv und die Spielerdatenbank als Währung für den Deal ein und erhält im Gegenzug eine Beteiligung von 10 Prozent an Track160. Das soll dem Start-up dabei helfen, sein Analysesystem schneller weiterentwickeln und mit Hilfe des DFL-Netzwerks zügig wachsen zu können. Die Daten sollten für Track160 von hoher Wichtigkeit sein, denn gerade Deep Learning-Prozesse als Teil von Künstlicher Intelligenz (KI) benötigen Informationen für Training und Weiterentwicklung. Nur so kann eine KI wirklich performant werden. Laut DFL-Chef Christian Seifert ist die Kooperation nur ein erster Schritt. Zukünftig soll ein ganzes Beteiligungs-Portfolio mit Unternehmen aus der Medien-, Technologie- und Sportbranche entstehen.Eintracht Frankfurt & 1. FC Köln als Vorreiter der BrancheEinen ähnlichen Weg wie die DFL geht der 1. FC Köln: der umtriebige Club hat ein eigenes Startup-Förderprogramm aufgelegt. Zwölf ausgewählte Jungunternehmen profitieren von einem viermonatigen Förderprogramm. In Köln sollen also die Ideen reifen, die die Sportwelt verändern sollen. Auch der hessische Traditionsclub Eintracht Frankfurt setzt auf Startups. Der Verein kooperiert mit TechQuartier, der Startups, Unternehmen und Wissenschaft im Rhein-Main-Gebiet zusammenbringen will und so gemeinsam mit der Hessischen Landesregierung den Digitalstandort Frankfurt Rhein-Main stärken will. Neben den Schwerpunkten Fintech und Greentech wird zukünftig also ein neuer Schwerpunkt des Frankfurter Gründungszentrums auf SportTech liegen. Der mittelfristige Fokus der Eintracht liegt dabei nicht nur auf der Kooperation, sondern auch auf Beteiligungen an erfolgreichen Startups.

Scouts profitieren durch wyscout

Eine umfangreiche Plattform für verschiedene Zielgruppen bietet wyscout, das Unternehmen selbst spricht vom “umfangreichsten Fußball-Videoarchiv der Welt”: über 450.000 beobachtete Fußballspieler, mehr als 220.000 katalogisierte Spiele und 250 weltweit analysierte Wettbewerbe seien zu finden. Bis ins Detail können Mannschaften, Taktiken und einzelne analysiert und getrackt werden. Es gibt einzelne Produkte unter anderem für Spieler, Trainer, Schiedsrichter, Scouts oder Spielervermittler. Letztere können neben der Analyse und Beobachtung von Spielern selbige auch bewerben und über die Plattform vermitteln. Formel 1 meets AmazonMit Amazon Web Services (AWS) hat sich die Formel 1 einen potenten Partner an Bord geholt: die Cloud-Sparte von Amazon soll mit völlig neuartigen Analysen den Teams bei der Renngestaltung helfen und die Grundlage für ein besseres Entertainment der Zuschauer sorgen. Auf Basis der Zusammenarbeit mit AWS sollen unter anderem während des Rennens die optimalen Zeitfenster für Boxenstopps  berechnet werden. Außerdem lassen sich im Vergleich mit historischen Daten die Leistungen der Fahrer besser analysieren. Diese Erkenntnisse lassen sich verarbeiten und visualisieren, um sie mit den Zuschauern in Echtzeit zu teilen.

Best Practices: Adidas & Nike

Stellvertretend für die Digitalisierung der Sports Consumer-Branche sei Adidas genannt. das Unternehmen aus Herzogenaurach hat eine klare eCommerce-Strategie kommuniziert, Marketing und Vertrieb sollen jederzeit auf den Kunden angepasst werden, konkret heißt das: eine Konzentration auf Online-Geschäft und Flagship-Stores. Bis 2020 sollen die jährlichen Umsätze im eCommerce auf 4 Milliarden Euro gesteigert werden. Stolz ist man auch auf die Speedfactory in Ansbach, die durch flexible und schnelle Produktion glänzt. Laut Angaben von Adidas-Vorstand Roland Auschel liegt zwischen dem Abdruck am Fuß-Scanner und der kundenindividuellen Produktion nur ein Tag. Auch der große US-Wettbewerber Nike bietet ähnliche Konzepte und digitalisiert sich vor allem bei der Ansprache seiner Kunden. Der amerikanische Sportartikel-Hersteller hat kürzlich die Digital-Agentur Zodiac aus New York und das IT-Startup Invertex aus Israel übernommen. Ziel ist die direkte Kundenansprache und eine erfolgreiche Entwicklung der Customer Journey auf Basis einer ausführlichen Kundenverhaltens-Analyse.

Fazit

Breite Anwendung finden digitale Methoden und Tools bereits heute in der Analyse von Sportlern und Trainingsmethoden mit dem Ziel der Leistungssteigerung. Besonders aktiv sind hier die Sportarten Fußball, American Football und der Rennsport. Ähnliches gilt für Virtual Reality-Anwendungen (VR), die als Trainingsersatz Wettkämpfe simulieren sollen. Hier haben die amerikanischen Vereine und Unternehmen die Nase vorn, vor allem bei Anzahl der realisierten Anwendungen und die Tiefe der Umsetzungen. Als großes Wachstumsfeld wird eSports auf Nutzerseite durch technisch begabte Jugendliche und junge Erwachsene geprägt. Dieses Potential sollten sich Unternehmen nicht entgehen lassen, um an die begehrten Nachwuchskräfte im Bereich Software-Entwicklung und anderen digitalen Feldern zu kommen. Eine Möglichkeit zur Kommunikation sind Sponsorships von Teams, Live-Events wie Turniere oder Messe und  digitale Werbemöglichkeiten. Für Furore sorgt momentan der Streamingdienst DAZN. Was Netflix und Spotify für die Entertainment-Branche waren, leistet DAZN im Sportbusiness-Bereich. Die Akzeptanz unter den Nutzer für die neuen Modelle wächst stark, gerade in der jungen Zielgruppe, und damit auch die Reichweiten und Umsätze. Viele Unternehmen und große Vereine in Deutschland nutzen also bereits die Vorteile der Digitalisierung, aber das volle Potenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft, wie ein Blick in US-amerikanischen Profiligen NFL oder NBA zeigt.