02.03.2011

US Handelskommission empfiehlt Do-Not-Track

Im vergangenen Dezember hat die US Handelskommission (Federal Trade Commission), die unter anderem auch für den Verbraucherschutz in den USA zuständig ist, Empfehlungen zur Verbesserung des Datenschutzes vorgelegt.

In Anlehnung an das Do-Not-Call Register, in dem sich US-Bürger eintragen können, wenn sie keine Werbeanrufe erhalten möchten, hat die FTC die Einrichtung einer sogenannten Do-Not-Track Technologie empfohlen. Mit Hilfe solch einer Technologie soll der Schutz der Privatsphäre im Internet verbessert werden, in dem jeder Internet Nutzer mit einfachen Mitteln den Werbefirmen das Auswerten des eigenen Surfverhaltens untersagen kann.

 

Unterschiedliche Implementierung der Technologie

 

Die Browserhersteller haben die Empfehlung der FTC nun aufgegriffen und in ihren aktuellsten Browserversionen eine Do-Not-Track Technologie implementiert. Bei der Umsetzung gehen die Hersteller jedoch unterschiedliche Wege.

 

Für den finalen Release des Internet Explorer 9 kündigte Microsoft sogenannte Tracking Protection Listen (TPL) an, ein Mechanismus zum Unterdrücken unerwünschter Inhalte, nach dem Format sogenannter Black und White Lists. Diese TPL enthalten zu blockende und explizit erlaubte Domains, die vom Anwender gepflegt, alternativ auch importiert werden können. Ist in einer vom Benutzer besuchten Webseite der Inhalt einer Domain eingebunden, die mit einer der Black-List Domains übereinstimmt, fordert der Internet Explorer den Inhalt nicht vom Server an. Die Domains der Black-List lassen sich jedoch weiterhin erreichen, wenn sie per URL-Eingabe oder durch einen Link aufgerufen werden.

 

Die 11. Beta Version des Mozilla Firefox 4 stellt dem Benutzer in den erweiterten allgemeinen Einstellungen eine globale Do-Not-Track Funktion zur Verfügung. Hat der Benutzer einmalig festgelegt, dass er keine personalisierte Werbung erhalten möchte, sendet der Browser bei jedem Seitenaufruf einen HTTP-Header, der dem Seitenbetreiber respektive dem Werbetreibenden signalisiert, dass er nicht für das Erstellen von personalisierter Werbung verfolgt werden möchte. Somit liegt es am Seitenbetreiber den Wunsch zu respektieren und dem Benutzer keine personalisierte Werbung auszuspielen.

 

Google setzt für den Browser Chrome auf sein bereits eingeführtes “Opt-Out” Plugin. Dieses funktioniert ähnlich wie die Robinson-Liste, auf der sich jeder eintragen lassen kann, der keine unaufgeforderte Werbung erhalten möchte. Die Werbeindustrie hat sich dazu verpflichtet diese Liste zu respektieren und in den meisten Fällen wird diesem Wunsch auch entsprochen. Ein Opt-Out-Cookie wird auf dem Rechner des Benutzers gespeichert und beim Besuch einer Seite von den Werbefirmen erkannt. Der Besucher wird auf diese Weise von der Analyse ausgenommen. Bislang bestand allerdings das Problem, dass jeder, der regelmäßig seine Cookies gelöscht hat, auch das Opt-Out Cookie löschte. Somit war man gezwungen, für jede neue Sitzung erneut das Opt-Out Cookie zu aktivieren. Mit dem jetzt verfügbaren Plugin “Keep My Opt-Outs” (“behalte meinen Opt-Out Wunsch”) verhindert Google nun eben diesen Umstand - das Opt-Out Cookie wird nicht mehr automatisch gelöscht.

 

Vorerst keine Konsequenzen zu erwarten

 

Auswirkungen auf die Web-Analyse sind zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht zu befürchten. Dafür sind die Ansätze der Browserhersteller zu unterschiedlich und nicht ausgereift genug. Beim Internet Explorer muss sich der User um die Aktualisierung oder den Import der Listen selbst kümmern, sofern es nicht firmenweit zentral gesteuert wird. Dies wird der durchschnittliche Anwender genauso wenig in Betracht ziehen, wie ihm die zusätzliche Installation von Plug-Ins beim Google Chrome bekannt sein wird. Den IE9 wird es darüber hinaus nicht für Windows XP geben, was zusätzlich eine Menge Anwender derzeit vom Gebrauch der Funktion ausschließt. Der Firefox bietet zwar die anwenderfreundlichste Variante, standardmäßig ist die Einstellung jedoch deaktiviert. Der Nutzer muss also erst einmal in den erweiterten Einstellungen den Ausschlusswunsch aktivieren. Zudem bleibt abzuwarten, ob und wann die Seitenbetreiber dem Wunsch des Users technisch nachkommen werden.