25.06.2019

Zu den bekannten Fintechs aus Deutschland gehören N26, Raisin (“Weltsparen”), Scaleable Capital, Quirion oder Smava, in die auch internationales Venture Capital geflossen ist. Dabei hat es N26 mit seinem Direct Banking-Angebot sogar geschafft, zu einem “Einhorn” zu werden – dem ersten deutschen Fintech mit einer Milliarden-Bewertung. Unter anderem sind die Allianz und der chinesische Internetriese Tencent investiert.

Weltsparen von Raisin vermittelt über 10 Milliarden Kapitalanlagen

Das Geschäftsmodell des Fintechs Raisin boomt in den Zeiten der niedrigen Zinsen im Euro-Raum: Unter der Marke Weltsparen vermittelt das Berliner Unternehmen Kapitalanlagen an Partnerbanken; seit der Gründung 2014 nach eigenen Angaben über zehn Milliarden von den Weltsparen-Kunden. Zu den Anlagemöglichkeiten gehören sowohl Tages- und Festgeld als auch diversifizierte börsengehandelte Fonds (ETF)-Portfolios. Insbesondere das ETF-Angebot scheint interessant, da es Züge einer klassischen Vermögensverwaltung trägt, allerdings ohne hohe Mindestsummen und im Vergleich sehr niedrigen Kosten. Kunden können den Anteil von Aktien und Anleihen im Portfolio prozentual bestimmen, das sogenannte Rebalancing erfolgt automatisch.    
In einer vierten Finanzierungsrunde konnte Raisin 100 Millionen Euro einwerben, das gesamte Investorenkapital beläuft sich damit auf 170 Millionen Euro. Für große mediale Aufmerksamkeit hat gesorgt, dass sich an dieser letzten Finanzierungsrunde auch der US-amerikanische Zahlungspionier Paypal beteiligt hat. Als wichtigster Wettbewerber bei der Vermittlung von Fest- und Tagesgeld in Deutschland gilt das Hamburger Fintech Deposit Solutions mit den Marken Zinspilot und Savedo. Nach Angaben des Unternehmens  wurden bereits 11 Milliarden Euro Kundenkapital vermittelt.

Einstieg in digitale Vermögensverwaltung ab 10.000 Euro

Auf eine langfristige Geldanlage hat sich Quirion spezialisiert. Der Robo-Advisor ist ein Tochterunternehmen der Quirin Privatbank und unterscheidet sich deutlich im Geschäftsmodell von klassischen Vermögensverwaltern. Klar wird es bei einem Blick auf die Zahlen: So ist der Einstieg in die digitale Vermögensverwaltung schon ab 10.000 Euro möglich, die Kosten sind mit 0,48 Prozent pro Jahr im Vergleich zu den üblichen Bank-Angeboten sehr niedrig. Möglich wird das durch niedrigen Personal- und Beratungseinsatz und einer Limitierung auf standardisierte Anlagemodelle, bei denen der Kunde lediglich zwischen dem Verhältnis von Aktien und Anleihen entscheiden kann. Als Anlagevehikel dienen ausschließlich günstige Renten- und Aktien-ETFs. Einen ähnlichen Weg geht Scalable Capital, im Gegensatz zu Quirion wird hier jedoch ein aktiver Investmentansatz verfolgt.    

Mobile first: schneller und komfortabler für Nutzer

Im Zentrum der Kundenkommunikation steht bei den Startups zumeist das mobile Endgerät der Nutzer, im Normalfall also das Smartphone. Sicher umgesetzt bietet die Technologie große Vorteile bei Schnelligkeit und Komfort, sie passt zum Nutzerverhalten der jungen Generationen, die hauptsächlich auf mobilen Geräten im Netz unterwegs sind. Dabei gehört Mobile Shopping ebenso zum Standard wie Mobile Payment.

Starkes Branchenwachstum in der Fintech-Szene

Zunehmend werden die Startups für die etablierten Marktteilnehmer interessant, neben einer Übernahme sind auch Kooperationen ein Weg, um an das begehrte Know How und junge Zielgruppen zu gelangen. Auch die Startups profitieren von funktionierenden Partnerschaften, beispielsweise durch Marktzugänge. Für beide Partner sollte im Idealfall eine positive Image-Veränderung entstehen. Ein Beispiel ist die Zusammenarbeit vom digitalen Vermögensverwalter Scalable (“Robo-Advisor”)  und der Direktbank ING. Einer Untersuchung der Beratungsfirma Barkow Consulting sind im Jahr 2018 erstmals über 1,1 Milliarden Euro in die Fintech-Szene geflossen – 55 Prozent mehr als im Vorjahr.

Google und Apple als Kooperationspartner für deutsche Banken

Nachdem die deutsche Banking-Branche nur sehr schleppend und wahrscheinlich zu spät mit dem Gemeinschaftsprojekt PayDirekt auf den Aufstieg von Paypal reagiert hat, sind weitere mächtige Wettbewerber auf dem deutschen Markt aufgetaucht. Google Pay und Apple Pay ermöglichen eine schnelle Zahlung über das Smartphone bei teilnehmenden Händler und Unternehmen. Verknüpft sind die Apps mit dem Bankkonto des Nutzers, so dass die klassischen Banken als Kooperationspartner ins Spiel kommen und rege davon Gebrauch machen.

Facebook meets Crypto Currencies & Blockchain

Völlig unklar ist, wie die Blockchain-Technologie den Bankensektor verändern wird und ob sich Kryptowährungen wie Bitcoin oder Ethereum als Zahlungs- und Wertaufbewahrungssysteme etablieren können. Der Hype um die Crypto Currencies ist weltweit groß, momentan vor allem als Spekulationsobjekt. Von seinen Anhängern wird speziell Bitcoin als digitales Gold angesehen, also eine Art endlicher Rohstoff, der dadurch langfristig an Wert gewinnen sollte. Die extreme Volatilität verhindert momentan noch die Funktion als Zahlungsmittel, auch eine Wertbewahrung kann so nur teilweise dargestellt werden. In diese Lücke möchte Facebook mit seinem Libra Coin stoßen, der durch einen Korb von Leitwährungen wie Dollar und Euro abgesichert sein und dadurch die gewünschte Wechselkursstabilität erhalten soll. Auch wenn Facebook die Kontrolle über die Knotenpunkte des Netzwerks (Nodes) an interessierte Unternehmen verkauft, kann im Vergleich zu Bitcoin von echter Dezentralität und Unabhängigkeit keine Rede sein.