23.09.2013

Google testet weiter an seinem “Project Loon”. Das Unternehmen will durch Ballons drahtloses Internet in schwer zugänglichen Gegenden bereitstellen. Im Folgenden stellen wir Ihnen die innovative Idee aus dem Hause Google vor.

 

Google will hoch hinaus

Das Internet hat unser aller Alltag auf den Kopf gestellt. Für viele von uns ist es das Natürlichste der Welt, schnell mit dem Smartphone oder vom heimischen PC aus Informationen im Internet abzurufen und das Lieblingsteil im Online-Shop zu bestellen. Für zwei Drittel aller Menschen ist dies aber noch lange nicht Realität. In den meisten Ländern der Südhabkugel muss für einen Internetzugang mehr als ein Monatseinkommen ausgegeben werden. Google möchte hier mit dem “Project Loon” eine Lösung bereitstellen.

Ballongestützter Internetzugang

Google stellt sich die Lösung wie folgt vor: Ein Ring von Ballons, genannt Super-Nodes, wird von stratosphärischen Winden vorwärts getrieben und kann so die Erde umrunden. Auf ihrem Weg stellen die Ballons Internetverbindungen her. Die Bandbreite soll dabei mindestens der von 3G-Netzwerken entsprechen. Die Übertragungsrate der Ballons soll zwischen zehn und 50 Gigabit pro Sekunde liegen. Der Abstand zwischen den Ballons beträgt 100 Meilen und die Kommunikation läuft über ultra-helle LED-Lichte.

Google hofft so, ländliche oder abgelegene Landstriche mit dem Netz verbinden zu können. Sogar die Kommunikation nach Naturkatastrophen soll per Ballon wiederhergestellt werden – sozusagen als fliegendes Notfall-Internet. Eine verrückte Idee oder ein wissenschaftlicher Meilenstein? Erst kürzlich hat Microsoft-Gründer Bill Gates das Projekt scharf kritisiert. Nach ihm sollte Google das Geld lieber in Arzneimittel stecken. Zugegeben, Menschenleben werden durch “Project Loon” nicht gerettet, aber dafür ist die Idee auch nicht konzipiert. Ein barrierefreier Informationszugang sowie die Möglichkeit zur Kommunikation sind in Entwicklungsländern ebenso wichtig. Google selbst betont, dass es sich bei dem “Mond-Projekt” um eine “verrückte Idee” handelt, die aber gern in die Tat umgesetzt werden soll. Laut Projektleiter Mike Cassidy könnte man zukünftig beispielsweise im tiefsten Dschungel online gehen, indem man sich per Smartphone mit einem der Ballons verbindet.

Trotzdem gibt es noch Schwachpunkte im System: Wie lässt sich beispielsweise eine ganze Flotte von Ballons immer an genau der gewünschten Stelle positionieren? Laut Google braucht es dazu komplexe Algorithmen und reichlich Computing-Leistung. Zusätzlich soll die jeweilige Flughöhe unter Ausnutzung günstiger Windverhältnisse angepasst werden.

Mehr dazu in diesem Video:

http://www.youtube.com/watch?v=m96tYpEk1Ao 

Konzipiert wurde “Project Loon” im Forschungslabor Google X, das auch die Computerbrille Google Glass hervorbrachte. Die Tests laufen aktuell im kalifornischen Central Valley für Forschungszwecke. Ein erstes Pilotprojekt wurde bereits in Neuseeland durchgeführt. Erst kürzlich hat Unwired View eine Reihe von Patentanträgen zum Projekt in der Datenbank der US-Patentbehörde aufgestöbert.