17.11.2017

Traditionelle Unternehmen haben grundsätzlich drei strategische Optionen für die digitale Transformation: Buy, Make & Cooperate. Also der Kauf oder die Investition in ein digitales Unternehmen, der Aufbau eines eigenen Geschäftsbereichs oder die Kooperation mit einem Partnerunternehmen. Von den 100 untersuchten Unternehmen setzen 44 Prozent auf den Aufbau einer eigenen digitalen Geschäftseinheit (“make”), 41 Prozent auf die Kooperation mit einem digitalen Unternehmen (“buy”). Nur 7 Prozent der Unternehmen fassen Käufe oder Beteiligungen an digitalen Start-ups ins Auge. Ebenso ist für nur 5 Prozent der Befragten eine Investition in digitale Start-ups die zukünftige Hauptstrategie.  

Buy-Option wird systematisch unterschätzt

“Das aktuelle Investitionsbudget ist im Durchschnitt für eine erfolgreiche digitale Transformation nicht ausreichend. Die deutschen Unternehmen sind im internationalen Vergleich bisher sehr zurückhaltend gegenüber einer Buy-Strategie. Bei genauerer Betrachtung sind die Risiken des „Buy“ allerdings oft nicht so hoch wie befürchtet, und die “Make“-Alternative ist nicht so risikolos wie erhofft“, so Gerd Bovensiepen, Leiter des Bereichs Handel und Konsumgüter bei PwC. Er rechnet deshalb mit einem zunehmenden Interesse von arrivierten Unternehmen an den digitalen Start-Ups. “Insbesondere Händler sind auf der Suche nach disruptiven Geschäftsmodellen und neuen Technologien. Dafür ist der Kontakt zur Start-up-Szene unerlässlich“, so Bovensiepen.

Jedes fünfte Unternehmen hat gar keine Strategie

Immer noch signifikant groß ist der Anteil der untersuchten Unternehmen, die sich weder strategisch noch operativ mit dem Thema Digitalisierung beschäftigen. Gerd Bovensiepen fasst die Erkenntnisse so zusammen: “Alarmierend ist jedoch, dass jedes fünfte Unternehmen sich bisher noch nicht eingehend mit dem Aufbau digitaler Fähigkeiten beschäftigt und keine entsprechende Strategie definiert hat. Deutsche Händler und Hersteller setzen ihre Marktposition gegenüber ihren internationalen Wettbewerbern aufs Spiel, wenn sie die digitale Transformation zu langsam und zögerlich angehen“. Gerade im wettbewerbsintensiven Handelsgeschäft stellt sich die Frage, wie diese Unternehmen zukünftig profitabel bleiben wollen.  

Investitionen in die eigenen digitalen Geschäftsbereiche zu gering

Der Aufbau der eigenen Digital-Kompetenzen geschieht bei den untersuchten Unternehmen zumeist als integrierter Geschäftsbereich. Nur etwa jedes zehnte Unternehmen hat eine digitale Gesellschaft mit eigenen Mitarbeitern und Prozessen gegründet. Bezüglich des Investitionsvolumens sind die Unternehmen sehr zurückhaltend: Über die Hälfte der Befragten will weniger als eine Million Euro in den nächsten drei Jahren in ihren digitalen Geschäftsbereich investieren. “Angesichts der Vielfalt der Aufgaben und Ziele der digitalen Geschäftsbereiche erscheint das Investitionsvolumen deutlich zu niedrig“, so Christian Wulff von PwC.