19.10.2016

Mittlerweile stellt sich nicht mehr die Frage wann das mobile Segment relevant wird, sondern wie man darüber Statistiken erhält und nutzt. In der Regel werden neben der regulären Webseite verstärkt Apps eingesetzt, um den Benutzer zu erreichen.



Zur Auswertung regulärer Webseiten stehen neben den mobilen Segmenten bereits einige mobile Kennzahlen automatisch zur Verfügung, nicht so bei mobilen Apps. Will man sich bei Apps nicht auf die App-Store-Daten beschränken, ist doch an einigen Stellen Hand anzulegen. Wir zeigen Ihnen anhand der Google Produkte, was zu beachten ist.

Native, Web oder Hybrid App?

Mobile App ist nicht gleich Mobile App. Vor der Implementation des App-Trackings ist zu unterscheiden, um welche Art von App es sich handelt:

Native Apps

Den meisten kommen bei Mobile Apps die über den App-Store installierten Apps in den Sinn, die zum großen Teil auch Offline funktionieren. Hierbei handelt es sich in der Regel um native Apps, die in der zum Betriebssystem passenden Programmiersprache geschrieben sind.

Aktuell sind Geräte mit Android- oder iOS-Betriebssystem führend und können mit Google Firebase / Analytics  gemessen werden. Für beide Systeme stehen SDKs (Software Development Kits) zur Verfügung, z.B. “Firebase Android App” oder “Firebase iOS App”.

Web Apps

Daneben gibt es auch Web Apps, die auf Web-Techniken setzen. Dabei handelt es sich im Prinzip um speziell für Mobilgeräte erstelle Webseiten, die zum Teil auch installiert oder als Starter auf dem Mobilgerät abgelegt werden können. Im Unterschied zu den nativen Apps benötigen Web Apps nahezu immer eine Internetverbindung, um die Inhalte aus dem Internet abrufen zu können. Web Apps können grundsätzlich mit derselben Technik wie Webseiten gemessen werden, häufig stehen spezielle Web-SDKs zur Verfügung, z.B. “Firebase Web App”.

Hybrid Apps

Hybrid Apps verbinden beide Welten mit dem Ziel Apps schneller und plattformübegreifender entwickeln zu können, in dem Sie auf einen nativen Unterbau setzen und für die eigentlichen Inhalte Web-Techniken nutzen. So können Features erschlossen werden, die den native Apps vorbehalten sind, z.B. Push Notifications, wobei der Inhalt einmalig plattformübegreifend programmiert wird.

Wenn für das eingesetzte Hybrid-Framework kein passendes Tracking-Plugin zur Verfügung steht, gestaltet sich das Tracking als Herausforderung, da man entweder die Wahl hat innerhalb des nativen Unterbaus oder im Online-Inhalt der App zu tracken. Alternativ stünde die Programmierung eines Hybrid-Apps-SDK an.

App-Tracking ist offensichtlich nicht trivial, allein schon die verschiedenen Techniken die sich hinter dem Wort “Mobile App” verbergen können, ist für viele ein Buch mit sieben Siegeln. App-Tracking ist ohne tiefere Eingriffe seitens Software Entwicklung nur rudimentär möglich.

Tatsächlich ist Firebase Analytics nur ein Bestandteil einer Software speziell für Software Entwickler, welche als Backend as a Service von einem Cloud Service Provider zunächst für Chats und Gaming angeboten wurde. Google erkannte das Potential und hat Firebase 2014 erworben.

Firebase Analytics vs. Google Analytics

Beides sind Google Produkte, wobei Google selbst Firebase Analytics empfiehlt und auch als Standard bei der Neuanlage von Properties für Mobile Apps setzt. 

Paradigmenwechsel

Es gibt in Mobile Apps, ähnlich wie im Web 2.0, keine Seitenadressen an denen man einen Pageview erkennen könnte. Man tendierte bisher dazu, seine App künstlich in Seiten/Screens einzuteilen, wo häufig keine waren.

Beispielsweise wurden Pageviews und Klickpfade in Mobile Apps klassisch als mobile Screenviews angesehen und berichtet. Ungeachtet der Tatsache, dass es in vielen Apps gar keine in sich konsistenten Pageviews gibt, lediglich Objekte die man touchen, wischen, ziehen, oder ähnliches kann. Oftmals tauchen die Objekte in verschiedenen Arrangements auf und erzeugen so Screens. Ein Objekt kann also oftmals nicht mit einer fixen Seitenansicht gleich gesetzt werden. So erscheint z.B. ein Musik-Player in vielen Ansichten einer App und wird immer wieder neu mit anderen Objekten kombiniert.

Die neue Betrachtungsweise geht von einem Event-basierten Fokus aus und konzentriert sich mehr auf die direkten Kontakt- und Werbemöglichkeiten. Es wird viel Wert darauf gelegt, anhand bestimmter Interaktionen erkennen zu können, welcher Besucher zu welcher Zielgruppe gehört, um ihn gezielt und vor allen Dingen sofort ansprechen zu können, z.B. über die auf fast allen Geräten verfügbaren Push Notifications.

Es gibt nach wie vor das Gedankenkonstrukt der Views, diese beziehen sich jedoch meist auf gesehene Dinge und deren Interaktionen. Je nachdem wie interagiert wurde, sieht auch der Screen allerdings unterschiedlich aus. Dadurch verschiebt sich die Pageview-Klickpfad-Sichtweise, aus der klassischen Web Analyse, zugunsten einer Objekt-Interaktions-Sichtweise, im App-Tracking. Mobile Events können auch in bestimmten Reihenfolgen auftreten und Kassengänge mit Bestellungen sein, hier nähern sich die Sichtweisen klassischer Web Analyse und App-Tracking wieder an.

Dementsprechend führt Firebase Analytics keine Seitenansichten, sondern setzt fast ausschließlich auf Events (Ereignisse) und User Properties (Nutzer Eigenschaften). Das sieht simpel gestrickt aus, aber jedes Firebase Event kann bis zu 25 Informationen (Parameter) führen, z.B. die Details einer Reisebuchung und als Conversion markiert werden. Events lassen sich auch als Audience, Attribution, Funnel oder Cohort berichten und gezielt Filtern.

Gedanklich erinnert der eventbasierte Ansatz eher an Gamification. Um die Interaktion eines Users mit der App zu messen, werden “Erfolge” zur neuen Währung. So wird die Erfüllung von Zielen als Erfolg gewertet. Dieses System setzt also auf die Bewertung und Wertigkeit von User-Aktivitäten und weniger auf das pure Reporting von Standard-Metriken.

Best Practice

Google bietet gleich eine ganze Reihe aufeinander aufbauender Produkte, die zum großen Teil kostenlos nutzbar sind. So kann man klein starten und sich entsprechend steigern.
Wir zeigen im Folgenden, wie die Produkte gemeinsam eingesetzt werden können.

Firebase & Firebase Analytics

Nach Möglichkeit kann die gesamte App via Firebase umgesetzt werden. Dabei kann auf weitere Firebase Produkte, wie Crash-Logs, Test-Labs, Realtime-Database, Storage, User Authentication und vieles mehr zurückgegriffen werden, unter anderem natürlich auch Firebase Analytics.

Google Tag Manager

Der Google Tag Manager ist mit Firebase kompatibel und kann Firebase Events auslesen und darauf reagieren, z.B. um eigene Function Calls auszulösen.

Neben den Firebase Events gibt es auch vorbereitete Tags, um Daten an bestehende Google Universal Analytics Properties zu senden. In dieser Kombinationen lässt sich sogar Firebase Analytics und Google Universal Analytics gemeinsam einsetzen.

Weitere verfügbare Tags sind:

  • adjust
  • Appsflyer
  • Kochava
  • TUNE
  • Google Adwords
  • DoubleClick
  • Apsalar

Durch den Google Tag Manager kann – sofern die DataLayer es hergibt – weiterhin am Tracking gearbeitet werden, ohne dass ein erneuter Submit in den App-Stores nötig ist.

Google Cloud Platform & BigQuery

Wer Firebase in der Variante BLAZE (Pay as you go) einsetzt, kann über die Google Cloud Platform auf BigQuery zugreifen.

Dies ermöglicht den Zugriff auf Rohdaten:

  • Zugriff auf alle 25 Event-Parameter und User-Properties
  • Erstellung von Custom-Metrics
  • Anreicherung der Firebase Analytics Datasets mit Daten aus externen Quellen, inkl. Historischer Daten, wie z.B. Lifetime Value (LTV)
  • Export der BigQuery Datasets zu einem eigenen Custom Endpoint

Auch Sie haben eine App, die Sie tracken wollen? Dann profitieren Sie von den Vorteilen des neuen Tracking-Tools Firebase. Sprechen Sie uns gerne an.