04.04.2012

Verlinkung, Suchfunktion, Personalisierung und Interaktion prägen das Internet-Nutzungsverhalten. Unter dem Kunstbegriff “Outernet” wird die Übertragung dieser Aktivitäten auf die reale Welt zusammengefasst. Online und Offline verschmelzen, die Wahrnehmung von Realität und Virtualität wächst zusammen. Was bedeutet dies genau für das Marketing und digitale Business von morgen?

 

Das Verständnis vom Web als “nur ein weiterer Medien-Kanal” ist stark verbreitet - ein Medien-Kanal, der zumindest interaktiver und mit mehr Möglichkeiten ausgestattet ist. Auf Basis dieser reinen Kanal-Perspektive werden dann Strategie, Produktentwicklung und Marketing betrieben. Was aber, wenn wir das Internet als mehr als nur ein Medium oder einen Channel betrachten? Der sich nach und nach durchsetzende Ansatz ist “das Web als neue Infrastruktur der Welt” - oder auch Outernet.

Das Outernet - was steckt genau dahinter?

Der Kunstbegriff “Outernet” ist als Ableitung zur Bezeichnung “Internet” entstanden: “das Netz, das in die Realität nach draußen dringt”. Das Phänomen beschreibt die Auflösung von Online- und Offline-Welt über alle Lebensbereiche hinweg. Die reale Welt funktioniert quasi wie eine Webseite: Jedes Objekt ist mit Informationen und Services verlinkt. Menschen, Systeme und Produkte sind über eine weit verbreitete technologische Infrastruktur verbunden und interagieren miteinander. Der etwas abstrakte Ansatzpunkt wird klarer, wenn man sich Anwendungsfelder wie das “Social Web of Things”, Near Field Communication und Augmented Reality anschaut.

Social Web of Things: Smarte Informationsverarbeitung von morgen

Das Web of Things meint die grundsätzliche Vernetzung der realen Welt mit der Digitalen. Überall sind Informationen über das mobile Web abrufbar, d.h. sämtliche Dinge werden zu Kommunikations- und Verkaufsflächen. Nicht nur der Point-of-Sale wandert so auf das mobile Endgerät, auch sogenannte “Next Generation Devices” für einen schnelleren, verknüpften Austausch von Daten und Informationen stehen für mehr Service und Interaktion bereit.

Near Field Communication: Mehr Service bieten

Branchenexperten zufolge ist die Near Field Communication eine der Technologien, die unsere Art nachhaltig beeinflussen wird, wie wir Sightseeing machen und unseren Urlaub von unterwegs gestalten. Sie unterstützt das Abrufen digitaler Informationen über sogenannte Tags und den Austausch von Daten über sehr kurze Distanzen. Das macht sie u.a. zum Favorit für ein kontaktloses Bezahlsystem via M-Payment. Alles, was der Nutzer dazu benötigt, ist sein NFC-fähiges Smartphone. Mit dem Pilotprojekt “the ultimate tourist pocket guide” startete Google Anfang des Jahres und ließ personalisierte Aufkleber in US-Restaurants, Verkaufsläden und typische Tourismus-Orte anbringen, die über Google Places zu finden sind. Der Aufkleber enthält den Aufdruck „Recommended on Google“ sowie ein QR-Code und das hinterlegtes NFC Tag. Ruft der der Nutzer nun das Tag ab, erhält er automatisch die Bewertungen der Location, die Kontaktdaten und Öffnungszeiten. Dies macht eine aufwändige Recherche überflüssig.

Augmented Reality: Veränderte Konsumgewohnheiten als Drive-to-PoS

Die Umweltwahrnehmung wird selektiver. Je nachdem, welche Interessen und Bedürfnisse Kunden haben, legen sie ihre Aufmerksamkeit auf bestimmte Details. Augmented Reality Anwendungen bedienen diese Wahrnehmung durch Hervorhebung und Fokussierung. Mittels Einblendung oder Überlagerung lassen sich reale Dinge wie Gebäude, Produkte etc. mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten anreichern. Die Aufmerksamkeit des Nutzers ist da (gegeben, präsent): Marken werden zu Orientierungspunkten und Advertising zum Service. Wirkungsvolles Drive-to-PoS-Marketing schafft so Einkaufserlebnisse, Interaktion und Service.

Wo geht die Reise hin?

Die Infrastruktur steht bereit: Nutzer sind “always on” und “always connected”, dank der starken Verbreitung mobiler Endgeräte und ständigem Zugriff auf das mobile Internet. Die damit verbundene Lokalisierung sowie effektive Informationsverarbeitung schafft Ansätze für crossmediale Angebote und Services.Die nächste Entwicklungsstufe ist die des Semantic Web, um die Datenflut im Internet zu organisieren und intelligent vernetzte Business-Interfaces zu kreieren.