25.03.2013

“Drei, zwei, eins - meins!” war gestern – heute ist Teilen im Trend. Besitz wird geteilt, Benötigtes geliehen. Die Shareconomy-Bewegung beschreibt die veränderte Lebenshaltung vom Haben zum Teilen. Der zunehmende Erfolg unterstreicht die Relevanz: Insbesondere im Tourismus- und Automobilsektor werden Milliarden damit umgesetzt. Jährliche Wachstumsraten von 25 Prozent sind keine Seltenheit, sondern Realität.

Die “Was deins ist, ist auch meins”-Mentalität ist nicht neu. Angefangen hat die Entwicklung mit dem Teilen von Software (Open Source), gefolgt von kollektivem Wissen z. B. auf Wikipedia bishin zu geteilten Multimedia-Inhalten wie Musik und Videos auf YouTube. Nun werden digitale Möglichkeiten dazu genutzt, haptische Güter zu Teilen. Begünstigt wird der Trend nicht nur durch die rasante Verbreitung von mobilen Endgeräten und sozialen Netzwerken, sondern auch aufgrund der sich immerzu ändernden wirtschaftlichen Lage.

 

“Shareconomy” rückt in Mittelpunkt

Die weltweit führende Hightech-Messe CeBIT hat das Teilen und gemeinsame Nutzen von Wissen, Ressourcen und Erfahrungen als neue Form der Zusammenarbeit als Leitthema auf die Agenda gesetzt. Was für viele Entscheider wie ein Paukenschlag daherkommt, ist bei der jungen Generation bereits Alltag.

Der IT-Branchenverband Bitkom sagt: 97 Prozent der 14- bis 29-Jährigen hält es für selbstverständlich, das digitale Umfeld zum Teilen von Wissen, Ressourcen und Erfahrungen zu nutzen. Car-Sharing, Crowdfunding oder Musikstreaming sind dabei nur einige von vielen Beispielen. Der eigentliche Besitz rückt in den Hintergrund, die Nutzung wird präferiert.

 

Tauschen, teilen und leihen als Geschäftskonzept

 

Airbnb.de

Auf der Plattform Airbnb.com bieten Privatleute Reisenden Unterkunft in ihren eigenen vier Wänden. Der Marktführer unter den Privatunterkunft-Vermittlern kann mittlerweile mit 300.000 Angeboten aufwarten, in Deutschland sind es 20.000. Inzwischen werden 87 Millionen Privatunterkünfte über Airbnb oder dessen Konkurrenten 9flats vermittelt.

 

 

tamyca.de 

Tamyca ist mittlerweile die größte Carsharing-Plattform von privaten PKW im Internet. Dabei steht keine ausgewählte Fahrzeugflotte zur Vermietung bereit, sondern Autos aller Art aus der Nachbarschaft. Daimler, BMW, Ford und sogar die Deutsche Bahn (DB) sind schon in den hart umkämpften Markt des Carsharings eingestiegen.

 

 

Kleiderkreisel.de 

Aus zweiter Hand bieten Nutzer Schuhe, Shirts und vieles mehr zum Tausch oder Verkauf auf kleiderkreisel.de an. Aktuell wurden bereits über 2.000.000 Transaktionen über die Plattform abgewickelt.

 

Herausforderung: Vetrauen schaffen und zementieren

Die Shareconomy besitzt durch das Kollektiv eine gewisse Eigendynamik, die es zu kontrollieren gilt. Das Konzept lebt von einem Gemeinschaftsgefühl, bei dem Vertrauen neben dem eigentlichen Nutzen und Leihen eine übergeordnete Rolle spielt. Umfangreiche Kundenbetreuung, Bewertungs- und Sicherheitsmechanismen sowie transparente Garantieprogramme sind Aspekte, die bei richtigem Einsatz, Misstrauen im Keim ersticken. Ein Restrisiko bleibt, wie bei jedem Geschäftsmodell, aber immer - dieses bis auf ein Minimum durch die oben genannten Instrumente  zu reduzieren, sollte hohe Priorität haben.

 

Potenzial erkennen, Chancen nutzen

Ob im Offline- oder Onlinebereich: Die Zahlen zeigen, dass die Shareconomy-Bewegung keineswegs ein unbedeutender Hype ist. Viele Start-Ups kämpfen zur Zeit um die besten Plätze auf dem Markt. Einige werden sich durchsetzen, wieder anderen verlieren. Wohin der Trend gehen kann zeigt insbesondere Daimler und BMW. Die Autohersteller vermieten über ihre Töchter Car2Go und DriveNow Autos per Carsharing. Der Clou: Daimler und BMW versuchen nicht ein bestehendes Geschäftsmodell zu adaptieren, sondern es zu ergänzen – also ein Zusatzgeschäft mit Kundenbindungs-Charakter zu etablieren. Langfristig können Shareconomy-Konzepte dabei kaum von der Idee an sich leben, sondern müssen ebenso mit einer intelligenten digitale Expertise aufwarten.