08.07.2015

Smarte Gadgets vernetzen das Eigenheim, regulieren die Heizung oder machen unsere Autos noch sicherer: Das “Internet der Dinge” revolutioniert nicht nur unseren Alltag, sondern ebenso die gesamte Produktion. Datenspeicher, Software und Sensoren, die allesamt über das Internet verbunden sind, fordern gänzlich neue IT-Infrastrukturen und stellen die jetzige Fertigungsindustrie auf den Prüftstand. Was man genau unter smarten Produkten versteht und wie diese die Wertschöpfung verändern, hat die Harvard Business Review in einem Fachartikel beleuchtet. Wir fassen für Sie die zentralen Aussagen zusammen.

Laut den Autoren der Harvard Business Review hat es insgesamt drei Wellen von "IT-getriebenem" Wettbewerb gegeben. Die erste Welle in den 1960ern und 1970ern Jahren sorgte für neuwertige IT-Systeme mit  automatisierten Auftragsbearbeitungen. Die Internet-Ära wurde in den 1980ern und 1990ern durch die zweite Welle ausgelöst. Diese Zeit ist die Geburtsstunde des eCommerce. Die dritte Welle ist nun das Internet der Dinge mit seinen smarten Produkten. Dies zieht nicht nur eine veränderte Wertschöpfung nach sich, sondern auch gänzlich neue Produktwelten. Die IT wird zu einem festen Bestandteil der Fertigungen.

Was sind eigentlich smarte, vernetzte Produkte?

Smarte Produkte weisen drei Komponenten auf: physische, "intelligente" und vernetzte. Alle drei Kernelemente wirken in einer Art Kreislauf miteinander und steigern den gesamten Wert des Produktes. Ein vernetztes Produkt lässt sich am besten anhand eines Autos erklären. Die physische Komponente besteht aus dem mechanischen und elektrischen Teil, sprich dem Motor, den Reifen und der Batterie eines Autos. Die intelligente Komponente umfasst Sensoren, Datenspeicher oder die Software. Im Wagen sind das zum Beispiel Touch Screen Displays oder Regensensoren an den Scheibenwischern. Die vernetzte Komponente beinhaltet Schnittstellen für eine drahtlose Verbindung. Dies wäre ein Auto, das an ein System angebunden ist, welches u.a. die Motorleistung überwacht.

Was ermöglichen vernetzte Produkte?

Konnektivität ermöglicht eine Reihe von neuen Produkt-Features. Diese lassen sich in vier Bereiche aufteilen: Monitoring, Steuerung, Optimierung und Autonomie.

Durch intelligente Produkte lassen sich zum Beispiel sehr viel schneller Fehlerquellen in der Entwicklung feststellen und beheben. Sensoren und Datensätze unterstützen die Fehleranalyse und Optimierung. Durch zutreffende Prognosen innerhalb der Produktion, können Prozesse stark verbessert werden. Das zieht u.a. einen optimierten Kundenservice oder qualitativ hochwertigere Produkte nach sich. Die Königsklasse der Produktion ist die Autonomie. Eine automatisierte Entwicklung beschleunigt die Fertigung um ein Vielfaches. Unternehmen können hier von Robotik und Sensorik profitieren, die Hand in Hand mit uns Menschen arbeiten.

So verändert sich der brancheninterne Wettbewerb

  • Wettbewerb findet zukünftig verstärkt über Produktdifferenzierung statt.Durch smarte Daten und deren Analyse können Unternehmen viel besser verstehen, wie Produkte tatsächlich genutzt werden. Optimierungen lassen sich einfacher und schneller umsetzen.
  • Unternehmen stimmen ihre Angebote künftig noch besser auf spezifischere Marktsegmente ab. Diese lassen sich sowohl nach Produkten als auch nach Kunden bilden. Ein produktbezogenes Merkmal ist z.B. das Material. Kundenspezifisch lassen sich Produktmerkmale u.a. auf das Land des Kunden beziehen.
  • Konkurrenz wird auch auf unbekanntem Terrain entstehen, da die Wettbewerbsgrenzen verschwimmen. Bestes Beispiel ist hier Google, die sowohl autonome Autos als auch M-Payment Lösungen entwickeln.
  • Ganz neue Geschäftsmodelle entstehen: Das Internet der Dinge ermöglicht neue Business-Modelle wie Product-as-a-Service. Traditionelle Geschäftsmodelle werden dadurch bedroht.
  • IT-Dienstleister werden zu den Gewinnern zählen. Anbieter und Berater für Sensoren, Software, Datenspeicher und Analytics besitzen das Know-how, das die Unternehmen für die Digitale Transformation benötigen.

10 entscheidende Fragestellungen für Unternehmen

Um die Marktchancen von vernetzten Produkten zu erschließen, sollten sich Entscheider in Unternehmen die folgenden 10 Fragen stellen:

  1. Welche Art von smarten, vernetzten Produkten bzw. Features passen zum eigenen Unternehmen?
  2. Wieviele Funktionalitäten sollten in das Produkt integriert werden?
  3. Ist ein offenes oder geschlossenes System zu wählen?
  4. Sollte die Entwicklung von smarten Produkten intern oder mit externen Partnern abgedeckt werden?
  5. Welche Daten sind entscheidend, um Produkte zu verbessern?
  6. Wie lassen sich Eigentums- und Zugangsrechte managen?
  7. Können vernetzte Produkte zwischengeschaltete Vertriebskanäle bzw. Service-Netzwerke teilweise ersetzen?
  8. Muss sich das Geschäftsmodell verändern?
  9. Sind neue Einnahmequellen zu erschließen?
  10. Sollte der Geschäftsumfang erweitert werden?

All diese Fragen greifen ineinander. Ziel jedes Entscheiders ist eine stringente Digital-Strategie, die das eigene Unternehmen von der Konkurrenz abhebt.

(Quelle: hbr.org)