06.07.2011

Google greift mit seinem Social-Media-Projekt „Google +“ die Vorherrschaft von Facebook an. Das Soziale Netzwerk des Suchmaschinebetreibers vereint alle Google-Dienste auf einer Plattform und könnte eine Nutzerwanderung auslösen. 

Seit einigen Jahren beansprucht Facebook die soziale Kompetenz für sich. Denn trotz der Vorherrschaft von Google in punkto Suchleistungen, verbringen sie ihre freie Zeit hauptsächlich bei Facebook. Google+ soll eine Alternative schaffen.

Google+: Inhalte individuell “kreisen” lassen

In Google+ dreht sich die Kommunikation um Nutzerkreise, die so genannten „Circles“, denen Nutzer ihre Kontakte zuweisen und so unterschiedliche Inhalte teilen. In den selbst definierten Circles können Familie, Freunde, Bekannte oder einfach nur Menschen mit gemeinsamen Hobbys hinterlegt sein - grundsätzlich kann jeder ohne Freigabe hinzugefügt werden. Der Unterschied zu Facebook liegt im gezielten Austausch von News, Links und Videos innerhalb der individuellen Circles. Diese transparente Trennung soll das Massenkontakte-Chaos und Bedenken zur Privatsphäre vieler Facebook User aufheben.

Das Spektrum aus Googles Diensten - alles in Einem

Die Nutzung von Google Applications und Diensten ist stark verbreitet: E-Mail via GMail, Bearbeitung von Dokumenten dank GoogleDocs, Teilen von Fotos über Picasa, Ansehen von Videos über YouTube, Videokonferenzen, Live-Chats - Google+ bietet all diese Dienste auf einer Plattform.

  • Bei der Sharing-App „Sparks“ können User angeben für welche Themen sie sich interessieren und Google liefert dazu einen Feed an Inhalten aus dem Web in 40 verschiedenen Sprachen.
  • Videochats mit Freunden sind im Feature „Hangouts“ mit bis zu zehn Kontakten möglich. Startet man einen Chat mit einem Kontakt, wird eine Benachrichtigung an die anderen Gruppenmitglieder gesendet und sie können zur Unterhaltung dazustoßen.
  • Auch die Tatsache, dass sozialer Austausch zunehmend mobil statt findet wird berücksichtigt. Google+ ist als Android-App verfügbar, die iPhone-App ist derzeit noch im Apple-Zulassungsprozess.

Googles Chancen richtig nutzen

Doch wie will Google es schaffen, 700 Millionen Facebook Nutzer zum umsiedeln zu bewegen? Auf Facebook sind ganze Freundschaften zu Hause, Familienfeiern werden organisiert und berufliche Kontakte gepflegt. Das soziale Netzwerk ist zum Treffpunkt geworden. User wünschen sich eine zentrale Plattform zur Kommunikation mit all ihren Freunden und Bekannten.

Google+: Auch für Unternehmen interessant

Trotz des großen Konkurrenten stehen die Chancen für Google+ nicht schlecht. Googles Dienste innerhalb eines Netzwerks gebündelt nutzen zu können, ist gerade in Zeiten von Cloud Computing und sozialer Netzwerke im Dienste von Intranets interessant. Die integrierte Websuche, Videokonferenz und allen anderen gängigen Funktionen machen getrennte Kommunikationswege überflüssig und die gezielte Bestimmung von individuellen Kontaktkreisen bündelt Wissen in den jeweils relevanten Gruppen. Dank einer zentralen Plattform können Abstimmungs- und Freigabeprozesse optimiert werden.

 

Der “+1 Button” ist nur auf den ersten Blick ähnlich Facebooks “Like”-Button. User können zwar genauso bewerten, dass ihnen ein Unternehmen gefällt, aber “+1” hat stärkere Auswirkungen auf das Suchmaschinenlisting: Eine Website mit “+1” wird höher gelistet, als Seiten die kein Google + verwenden.

Fazit

Bislang ist Google+ ein Projekt, dessen Entwicklung in Ruhe beobachtet werden muss. Googles Social Media Einstieg lässt allerdings auf eine attraktive Alternative zu Facebook schließen, die auch in der Unternehmens-Kommunikation neue Möglichkeiten erschließt.