26.06.2018

Seit Jahren leidet die deutsche Gründerszene an der schlechten Infrastruktur für Venture Capital, das Fundraising gestaltet sich langsam und schwierig. Gerade im Vergleich zu den USA sind die Nachteile riesig, so dass viele Jungunternehmer gleich ganz abwandern. Mit dem rasanten Aufstieg der Kryptowährungen und den Initial Coin Offerings (ICOs) auf Basis des Ethereum-Protokolls hat sich weltweit eine neue Fundraising-Methode etabliert. Hierzulande ist vor allem die IOTA Foundation aus Berlin bekannt geworden, die ausgegebene Kryptowährung IOTA gehört momentan zu den zehn wertvollsten virtuellen Währungen der Welt. Die Foundation hat Partnerschaften mit VW und Bosch geschlossen und auf der CEBIT einen ersten Proof of Concept präsentiert. 

ICOs nicht rechtssicher 

Die Schwierigkeit bei den ICOs: Die rechtliche Lage ist nicht geklärt, wirklich verbriefte Unternehmens- oder Wertanteile werden nur selten gewährt. Teilweise haben die Coins wenig zu tun mit dem eigentlichen Geschäftsmodell, wie es bei Ripple der Fall ist. Während die Technologie für die Abwicklung des Interbanken-Verkehrs in Konkurrenz zum SWIFT-Verfahren momentan schnell Marktanteile gewinnt, kommt der Coin XRP von Ripple dabei bisher noch gar nicht oder nur vereinzelt zum Einsatz. Besitzer des XRP-Coins profitieren also bis dato nicht durch eine Wertsteigerung aufgrund des Wachstums von Ripple, auch besitzen sie keine Wert- oder Unternehmensanteile.

ICOs oftmals betrügerisch

Im Kryptohype des letztes Jahres konnten junge Unternehmen auf diesem Weg sehr viel Geld einsammeln. Allerdings wurden auch viele schlechte Projekte stark gehypt, was erst mit dem Abflachen des Trends in der Breite deutlich wurde. Die Folge: In vielen Ländern sind die ICOs schon verboten oder stehen zumindest stark unter Beobachtung und Kritik. Dazu kommt, dass selbst Krypto-Enthusiasten davon ausgehen, dass es sich bei einem Großteil der ICOs um sogenannte Scams handelt, also betrügerische Aktionen. Sie sind damit kein gutes Werkzeug für ein nachhaltiges Investment und für institutionelles Kapital nicht geeignet. Zwar tut sich vor allem in den USA einiges im Bezug auf die Reglementierung von Kryptowährungen und ICOs, aber konkrete Einschätzungen und Maßnahmen werden sicherlich noch ihre Zeit brauchen.  

Equity Token Offerings: Ein dritter Weg?

Die neue Methode von Neufund heißt Equity Token Offering (ETO). Mit ihnen soll die Brücke geschlagen werden zwischen klassischem Fundraising und den ICOs. Laut Neufund seien die ETOs ein sicherer Weg der Kapitalbeschaffung, weil sie deutscher Gesetzgebung und Gerichtsbarkeit unterliegen. Entsprechend würden die Käufer echte Anteile an den Unternehmen erwerben. 

Das technische Schlagwort dabei heißt Tokenisierung. Im Falle von Neufund gibt eine Einzweckgesellschaft namens Neumini Tokens aus, die Rechte an den Gesellschaftsteilen repräsentieren, zum Beispiel Dividenden. Es handelt sich also technisch und rechtlich um sogenannte Utility- oder Protocol-Token. In der Kryptoszene sind solche Tokens eher unbeliebt, weil sie strengeren rechtlichen Auflagen unterliegen und eher Unternehmensanteilen als Aktien ähneln.

Zuständig für die Bewertung der ETO-Tokens ist also die BAFIN, eine finale Einordnung steht hier momentan noch aus. Die Tokenisierung ist auch der wichtigste Unterschied zu Neufunds Wettbewerber Seedmatch, der klassisches Crowdinvesting anbietet.

Auf der Website von Neufund (https://neufund.org) sind fünf Unternehmen gelistet, die eine Investitionsrunde über das Portal realisieren wollen: Onlinehändler Brille24, das E-Auto-Startup Uniti, der indische E-Motorrad-Hersteller Emflux Motors, der Gebrauchtwaren-Marktplatz MySwooop, das Blockchain-Startup Blockstate und der IoT-Inkubator Next Big Thing.