10.03.2014

Das Internet macht dem stationären Handel das Leben schwer. Der Onlinehandel verbucht immer neue Wachstumsrekorde, während Geschäfte in den Innenstädten Schwierigkeiten haben, Umsätze zu generieren. Die digitale Revolution schreitet unaufhaltsam voran und auch der Einzelhandel muss sich damit beschäftigen, um weiterhin für Kunden attraktiv zu sein.

Der stationäre Handel braucht neue Impulse im Kampf um die Kunden. Hierbei spielen neue digitale Services eine wachsende Rolle, denn sie beeinflussen das Einkaufserlebnis und tragen zur Attraktivität der Stores bei. Der Einsatz digitaler Technologien am PoS ist heute nicht mehr ein nettes “Good-to-have”, sondern hat sich in ein “Must-Have” gewandelt. Wer heute dem Kunden keine Mehrwerte in seinem Geschäft bieten kann, wird ihm schwer begreiflich machen können, warum dieser Produkte dort kaufen und nicht günstiger im Internet bestellen sollte.

 

Neue Trends und Kooperationen

Schlagworte und Trendthemen rund um das Thema gibt es viele: Von altbewährten Location Based Services, Digital Signage, QR-Code-Shopping über Customer Flow Management bis hin zu Micro Location Marketing mit Hilfe von Apples iBeacons. Die Möglichkeiten, Kunden mit digitalen Services Mehrwerte zu bieten, sind da und müssen vom Einzelhandel lediglich clever eingesetzt werden. Vor allem die jungen Shopper lassen sich durch diese neuen Formen der Kontaktaufnahme in Kunden verwandeln, wenn Geschäfte interessante Features bieten, die Lust aufs Einkaufen in der Fußgängerzone und nicht am PC machen. Dabei muss immer mehr beachtet werden, dass die Grenzen zwischen stationärem Geschäft, Web und Mobile verschwimmen. Aber auch bei älteren Kunden gehören mobile Endgeräte immer mehr zum täglichen Leben, so dass sie gute Serviceleistungen durch digitale Technologien zu schätzen wissen.

Der Bezahldienst PayPal bietet sich immer wieder für innovative Projekte und Kooperationen an. So können Shopper in Oldenburg per QR-Code in Schaufenstern auch nach Ladenschluss bestellen und mit PayPal bezahlen: In Londons Stadtteil Richmond akzeptieren viele kleine Geschäfte und Hotels, nach dem Motto “Pay with Your Face”, die Bezahlung mit PayPal: Kunden checken sich in der PayPal POS App ein und der Verkäufer kann anhand des Profilfotos abgleichen, um wen es sich handelt und belastet dessen Konto mit dem entsprechenden Betrag.

Auch im Bereich Digital Signage gibt es viele interessante Ansätze, die Kunden Lust aufs Shoppen im Geschäft machen sollen. PARCO Fashion in Tokyo vernetzte Kleiderbügel mit Monitoren über dem Warenangebot. Jedes Mal, wenn ein Kunde einen Kleiderbügel von der Stange nimmt, wird ein Werbevideo des Kleidungsstücks gezeigt.

www.youtube.com/embed/NFMNQ37nsAg   

 

Unterstützung für den Verkäufer: Leiser Beratungs-App

Neben dem Entertainment-Faktor von digitalen Angeboten in Shops ist auch der Einsatz von digitalen Technologien für Verkäufer ein wichtiger Bestandteil neuer Wege im stationären Handel. So profitiert das Schuhhandelsunternehmen Leiser von einer leistungsstarken Beratungs-App, die die Cross-Channel-Vermarktung unterstützt.

Es handelt sich um eine intuitiv bedienbare Service-App, mit der Produkte in den Leiser-Filialen beworben und verkauft werden können. Die Kunden werden gemeinsam mit der Leiser-Verkäuferin durch digitale Funktionalitäten zum Kaufabschluss geführt. Über zentrale 360°-Videoansichten entsteht eine digitale Markenwelt mit optimaler Produktpräsentation. Ergänzende Informationen wie Größen und Detailinformationen können bei Bedarf zusätzlich angezeigt werden.

 

Testen, testen, testen

Wichtig für Einzelhändler ist das Ausprobieren von neuen Möglichkeiten und Ideen. In sogenannten Future Labs testet zum Beispiel Shopping Center Spezialist ECE neue interaktive Einkaufserlebnisse, bevor es in einen standardisierten Roll out in alle Einkaufszentren geht. Dabei werden verschiedenste Konzepte ausprobiert: Virtuelle Wegeleitsysteme, Social-Media-Verknüfungen, interaktive Spielflächen. Natürlich werden auch Apps angeboten, die Kunden lokalisiert und sie über Angebote und Veranstaltungen informiert.

Was genau in welchem Laden oder zu welchem Produkt passt, muss der jeweilige Händler durch Tests und Befragungen seiner Kunden selbst herausfinden.

 

Fazit

Digitale Ergänzungen im stationären Handel können das Einkaufserlebnis aufwerten, wenn sie Kunden Mehrwerte bieten. In-Store Commerce wird durch digitale Erlebnisse zum “Destination Commerce”. Shoppen im stationären Handel wird wieder zu einem Genuss. Auch die Bedrohung durch das Showrooming-Phänomen kann durch eine intelligente Verknüpfung von Online und Offline eingegrenzt und in Verkaufsmöglichkeiten umgewandelt werden. Heute sollte jeder Einzelhändler überlegen, wie er mit möglichst nahtlosen Omni-Channel Erlebnissen den stationären mit dem Online-Handel verknüpfen kann. Nur wenn er seine Kunden in ihrer Welt abholt, hat er eine Chance, sie in seine Welt zu bringen.