22.05.2015

Lediglich 6 von 10 Unternehmen fühlen sich gut gerüstet für die Industrie 4.0. Gleichzeitig erkennen 91 Prozent große Chancen durch die Digitalisierung der industriellen Produktion. Deutsche Unternehmen erwarten dabei eine Steigerung der Produktivität von 20 Prozent. Dennoch investieren Industrieunternehmen sehr zurückhaltend in digitale Technologien. Zu diesen Ergebnissen kommen zwei aktuelle Studien der Unternehmensberater McKinsey und Roland Berger. Wir stellen Ihnen die zentralen Ergebnisse sowie die daraus resultierenden Handlungsempfehlungen vor.

In Kooperation mit dem Bundesverband der Deutschen Industrie untersucht Roland Berger in der Studie “Die digitale Transformation der Industrie” Ursachen und Auswirkungen der Digitalisierung auf die deutsche und europäische Industrie. Das Ergebnis ist eindeutig: Bei der digitalen Reife gibt es beträchtliche Defizite. Unter digitaler Reife wird der Zustand verstanden, bei dem ein Unternehmen auf fortschrittliche digitale Technologien setzt, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Branchen Chemie, Logistik und Energie liegen hier laut Studie vorn. Schlusslicht bilden viele mittelgroße Unternehmen der Elektroindustrie sowie des Maschinen- und Anlagenbaus.

Die Berater von McKinsey bestätigen die Analyse von Roland Berger. Die internationale Studie “Industry 4.0 - How to navigate digitization of the manufacturing sector” unterstreicht, dass viele Unternehmen erst jetzt beginnen, sich konkret mit der Industrie 4.0 zu befassen. Lediglich 6 von 10 befragten Firmen fühlen sich daher gut vorbereitet. Die Vorteile innovativer Technologien wie dem 3D-Druck werden zudem oft als Risiko betrachtet, anstatt die Chancen für das eigene Unternehmen zu sehen. Für die Studie hat McKinsey 300 Entscheider aus Deutschland, Japan und den USA befragt.

Die größten Herausforderungen

In Deutschland nennen Industrieunternehmen als größte Herausforderungen der Digitalisierung das Wissen der Mitarbeiter, die Datensicherheit sowie einheitliche Datenstandards. Eine weitere Hürde gilt es im Bereich Investment zu nehmen. Nur 14 Prozent des jährlichen Forschungsetats der deutschen Firmen werden in relevante Industrie 4.0-Themen investiert, so McKinsey. Zum Vergleich: US-Unternehmen geben mehr als doppelt so viel Budget aus. Sind die deutschen Unternehmen zu sorglos?

Deutsche Industrieunternehmen unterschätzen Industrie 4.0

Die angesprochene Zurückhaltung bei der Investition in Anwendungen der Industrie 4.0 legt gleich zwei große Lücken offen. "Zum einen geben US-Unternehmen mehr als doppelt so viel Geld aus. Zum anderen sind die 14 Prozent auch ein Unterinvestment gemessen an den eigenen Umsatzerwartungen, da sich die deutsche Industrie im Durchschnitt ein Umsatzwachstum von 20 Prozent dank der neuen Technologien erhofft", sagt McKinsey-Berater Detlef Kayser.

Eine gewisse Sorglosigkeit offenbaren die deutschen Firmen auch bei der Betrachtung der eigenen Konkurrenz. Aufgrund der Digitalisierung müssen Unternehmen zunehmend mit Angriffen auf das Kerngeschäft durch branchenfremde Konkurrenz rechnen. Uber, Amazon und Google sind hier Vorreiter. Google testet zum Beispiel mit der Google Wallet Branchengrenzen im Mobile-Bereich aus. Dennoch rechnen lediglich 50 Prozent der deutschen Firmen mit branchenfremden Wettbewerbern. Im Vergleich dazu gehen bereits 63 Prozent der US-Unternehmen von Konkurrenz aus neuen Wettbewerbsfeldern aus.

Wie verheerend dieser zögerliche Einsatz sein kann, stellt Roland Berger in einer Prognose auf: bis 2025 ergibt ergibt sich ein kumuliertes Wertschöpfungspotenzial von 425 Milliarden Euro allein in Deutschland durch Industrie 4.0. Für Europa werden 1,25 Billionen Euro erwartet. Sollte die digitale Transformation der Industrie misslingen, gehen die Consultants von europaweiten Einbußen in Höhe von 605 Milliarden Euro aus.

So bauen Unternehmen ihre digitale Reife auf

Nach Roland Berger greifen die folgenden Punkte, um die digitale Reife des Unternehmens zu erhöhen.

       

    1. Analyse des Ist-Zustands: Welchen Einfluss nehmen digitale Technologien aktuell auf die Industrie? Welche Wertschöpfungsketten haben sich bereits verändert und bedingen neue Plattformen? Dies gilt es im ersten Schritt zu analysieren.
    2. Bestimmung der eigenen Position: Im zweiten Schritt ist die Position des eigenen Unternehmens zu definieren. Wo bestehen Umsetzungs- und Kompetenzlücken? Im Fokus stehen hier personelle Ressourcen sowie der Status Quo der digitalen Geschäftsstrategie.
    3. Entwicklung einer Roadmap: Das Aufsetzen einer sogenannten Roadmap für die digitale Transformation sollte Faktoren und Prozesse abdecken, die für den digitalen Erfolg notwendig sind. Dazu zählen u.a. Kundenschnittstellen oder eine optimierte Datenverarbeitung.
    4. Strategische Partner gewinnen: Damit der digitale Fahrplan auch praktisch gelingen kann, sollten sich Unternehmen mit Marktteilnehmern bzw. strategischen Partnern zusammenschließen. Ob neue Plattformen, automatisierte Prozesse oder Smart Data: Wichtig ist, dass die Unternehmensführung die digitale Reife in den Mittelpunkt rückt.
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Handlungsempfehlungen für Industrieunternehmen

McKinsey stellt in seiner Studie ebenfalls Empfehlungen bereit, die konkrete Praxis-Tipps beinhalten.

         

      1. Zeitnah agieren: Industrieunternehmen sollten sich ein Beispiel an Start-ups nehmen und auf Schnelligkeit setzen. Updates und Produktverbesserungen stehen vor allem im IT-Sektor für zügiges Agieren.
      2. Datenmanagement optimieren: Aussagekräftige Daten sind das A und O bei der Digitalisierung. Bislang wird nur 1 Prozent der in der Produktion anfallenden Daten tatsächlich genutzt. Hier schlummert also enormes Potenzial, um den Lebenszyklus eines Produktes online abbilden zu können. Eine intelligente, sichere Datensoftware kann helfen, Maschinen noch besser zu nutzen. McKinsey spricht hier von einer Steigerung der Produktivität von 30 Prozent.
      3. Kontakt zum Kunden sichern: Die Anzahl der möglichen Touchpoints ist um ein Vielfaches gestiegen. Unternehmen müssen entscheiden, welche strategischen Schnittstellen sie ausbauen und sichern wollen, um den Kontakt zum Kunden zu halten und sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen.
      4. Know-how aufbauen: Spezialisten und neue Fähigkeiten bei den eigenen Mitarbeitern sind gefordert, um z.B. große Datenmengen zu analysieren. Diese Talente müssen unter Umständen erst gefunden und ans Unternehmen gebunden werden, sodass Entscheider parallel auf strategische Dienstleister setzen sollten.
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Fazit

Der Investitionsbedarf für die digitale Transformation der deutschen Industrie wird von Roland Berger auf 35 Milliarden Euro bis 2025 geschätzt. Ein radikaler Marktumbruch vollzieht sich aktuell durch die Industrie 4.0 und bedingt unternehmensübergreifende Kooperationen. Ein tieferes Verständnis der Digitalen Business Transformation ist gefordert, sodass Industrieunternehmen neue Geschäftsmodelle erarbeiten können. Sprechen Sie uns gerne an und wir setzen gemeinsam mit Ihnen Ihren digitalen Fahrplan auf.

(Quelle: cio.de)