30.12.2020

Wer in seinen Instagram Storys oder Reels schon einmal über einen Tag mit einem kleinen, blauen Einkaufskörbchen gestolpert ist und sich dachte: “Oh, das möchte ich haben!”, der war bereits mittendrin im sogenannten “Social Commerce”-Universum. Der Begriff setzt sich zusammen aus “Social Media” und “E-Commerce” und beschreibt damit schon ganz gut, was es damit auf sich hat: Es geht um Onlineshopping auf den sozialen Plattformen. Spätestens seit sich die Giganten TikTok und Shopify zusammengetan haben ist auch im Westen klar: Dieser Trend ist gekommen um zu bleiben. Und wer Social Shopping immer noch nicht für relevant hält, der blicke nach China: Social Commerce macht dort, dank Apps wie WeChat und Pinduoduo, bereits 11,6 % des gesamten E-Commerce-Volumens aus; Tendenz stark steigend

Facebook will Social-Commerce-Vorreiter werden

Die Möglichkeiten des Social Shoppings möchte auch Facebook für sich nutzen und baut sein Portfolio kontinuierlich aus. Nachdem Shopping-Funktionen zuletzt für Instagram Reels eingeführt wurden, ist jetzt WhatsApp Business an der Reihe. Mit WhatsApp Carts verfügt der Messenger jetzt über eine Warenkorb-Funktion. Nutzer*innen können sich darüber die Produktkataloge von Unternehmen anzeigen lassen, gleich mehrere Produkte per Klick in den Warenkorb legen und diese Sammelbestellung anschließend im Chat an das Unternehmen schicken. Antwortet dieses mit einer Bestätigungsnachricht, gilt die Ware als bestellt. 

Da es durch den Single-Point-of-Contact keinen Medienbruch mehr gibt, die Kund*innen die App also nicht mehr verlassen müssen, um beispielsweise auf einer Website erst nach dem Wunschprodukt und anschließend nach der eigenen Kreditkartennummer zu suchen, wird die Einkaufserfahrung deutlich verschlankt. Da der Bestellvorgang so schnell und unkompliziert ist, wird außerdem weniger über den Einkauf nachgedacht; die Wahrscheinlichkeit einer Conversion steigt. 

“Insbesondere für die Fashion- und Kosmetikbranche ist Social Commerce daher ein echter Zugewinn”, sagt Gregor Mönks, Teamleiter eCommerce bei TWT. “Social Shopping ist noch viel stärker von Emotionen getrieben als klassisches Online-Shopping. Spontankäufe bis etwa 100 Euro sind die Regel. Im Vergleich dazu ist Social Commerce beispielsweise für den B2B-Großhandel weniger relevant.” 

Droht das Ende der klassischen Online Shops? 

Facebook versucht natürlich – wie alle Plattform-Giganten – den Zugang zum Kunden möglichst vollständig bei sich zu bündeln. Dank einer gut durchdachten Infrastruktur wird es für Unternehmen immer lohnenswerter, ihre Marketingaktivitäten per API mit Facebook zu verknüpfen. 

Zusätzlich zum In-Chat-Shopping bietet Facebook Unternehmen seit Oktober 2020 an, die Facebook-Hosting-Infrastruktur mitzunutzen. Über diese Hostingdienste soll unter anderem die Verwaltung von WhatsApp-Nachrichten vereinfacht werden. Außerdem soll es auch für kleinere Unternehmen leichter werden, den eigenen Produktkatalog zu pflegen. Das funktioniert aktuell nur über die WhatsApp Business App, die (noch) kostenlos heruntergeladen werden kann. Das Potenzial ist allerdings enorm: Laut eigener Angaben senden täglich rund 175 Millionen Menschen eine Nachricht an einen der existierenden 50 Millionen Geschäftsaccounts. 

Diese Neuerungen haben jedoch ihren Preis: Geschäftskunden werden in Zukunft für die erweiterten Funktionen von WhatsApp Business bezahlen müssen. Durch die Gebühr wolle der Messengerdienst sein “eigenes Geschäftsmodell weiter ausbauen” heißt es in einem Statement. In welche Richtung das gehen könnte, zeigt eine Listenpreisübersicht von 2019

Unternehmen, die jetzt das Ende ihres Online Shops nahen sehen, beruhigt Gregor Mönks: “Wir bewerten Social Commerce als sinnvolle Ergänzung zu den bekannten E-Commerce-Kanälen.” Eine Verdrängung befürchtet er nicht: “Social Shopping eignet sich vor allem für einfache, wenig komplexe Cases. Features wie Rabattierungen, lokale Eingrenzungen und Personalisierung sind aktuell noch nicht möglich.” 

Quo Vadis, Social Commerce?  

Die Reise bleibt spannend, ist aber noch lange nicht abgeschlossen. WhatsApp Carts kann für Unternehmen eine sinnvolle Ergänzung zum Portfolio darstellen, leidet aber noch an einigen Kinderkrankheiten. So wurde bislang nur in Indien eine In-App-Bezahlmethode genehmigt und zudem verwehren Kund*innen sich derzeit den neuen Nutzungsbestimmungen von WhatsApp. 

Gregor Mönks ist sich aber sicher: “Wir werden mit Social Commerce langfristig ähnlich erfolgreich sein wie China.” Und als Plattform bleibt dafür ja nicht nur WhatsApp. 

Sie wollen weiterführende Informationen zum Thema Social Commerce oder brauchen Unterstützung beim Aufsetzen Ihres Katalogs? Dann melden Sie sich bei unserem Experten Gregor Mönks.