11.04.2013

Schnell, schneller, social. Ob Facebook oder Twitter mit Timeline und 140-Zeichen-Tweets - das Social Web ist mit Höchstgeschwindigkeit unterwegs. In erster Linie dreht sich alles um Freunde und die Instant-Kommunikation. Tumblr hingegen wählt einen anderen Weg und punktet mit Inhalten.

Zur Zeit wird Tumblr in den Medien immer wieder als Rising Star im Social Web genannt. Gleichzeitig sogar als nächsten Anwärter auf dem Thron, der bisher noch von Facebook beansprucht wird. Ob etwas an dem Medienecho dran ist und Relevanz für Werbetreibende besteht? Wir haben die Situation kurz und prägnant zusammengefasst:

 

Was ist Tumblr überhaupt?

Die Microblogging-Plattform wird hierzulande oft noch als Geheimtipp gehandelt. Weltweit hingegen hängt sie bereits etliche Konkurrenten ab. Die Pageviews liegen inzwischen bei mehr als 16 Milliarden pro Monat. Fast 800 Millionen Besucher sind jeden Monat auf Tumblr unterwegs. Auf die 100 Millionen Blogs kommen 44 Milliarden Einträge. Tumblr wartet dabei neben einer Palette an Funktion mit zwei Killerfeatures auf: Die Individualisierung des Front-Ends und das “Reblogging”.

Tumblr bietet seinen Nutzern eine Vielzahl an Themes, um das Layout des eigenen Blogs nach Belieben anzupassen. Das Rebloggen gehört dabei zur Kernfunktion. Nutzer, die aus allen Blogs das Beste für ihren persönlichen heraussuchen und rebloggen werden “Curators” genannt - sie generieren keinen eigenen Content, verbreiten zu Verfügung stehenden auf rasante Art und Weise.

 

Warum wird Tumblr als nächster Star des Social Web gehandelt?

Eine aktuelle Studie des Umfrage-Startups Survata hat ergeben, dass 59 Prozent der 13- bis 25-jährigen Tumblr intensiv nutzen. Damit rüttelt die Microblogging-Plattform an der Stellung des Platzhirsches Facebook - das führende soziale Netzwerk erreicht lediglich 54 Prozent. Twitter nutzen 20 Prozent regelmäßig.

Steht Tumblr wirklich in Konkurrenz zu Facebook?

Auf den ersten Blick haben die Microblogging-Plattform und das soziale Netzwerk nicht viel gemeinsam. Auf Tumblr dreht sich hauptsächlich alles um Fotos und animierte Gifs. Facebook ist hingegen in erster Linie auf Freunde und die damit einhergehende Kommunikation ausgelegt.

Die Nutzerstruktur wiegt dabei auch unterschiedlich, was wiederum jedoch durchaus eine Verbindung zwischen den beiden Anbietern zulässt. Nach einer aktuellen Studie werden Facebook-User immer älter. Das Soziale Durchschnittsalter der Nutzer, auch Medianalter geannt, liegt bereits bei 38,7 Jahren. Im Jahr zuvor lag der Wert noch bei 38,1 Jahren. Auf Facebook tummeln sich wie vor fünf Jahren nicht mehr nur Studenten, sondern Eltern, Lehrer, Chefs und Kollegen. Dementsprechend müssen Nutzer trotz neuer “Freundefunktion” (enge Freunde, Freunde, Familie) oft zwei mal überlegen, was genau sie von sich preisgeben wollen. Somit ist dem Netzwerk ein gewisser anonymer Freundeskreis entglitten. Dieser findet sich zunehmend in Nischennetzwerken und eben auf Tumblr wieder.

Tumblr-Nutzer sind mit einem Medianalter von 32,8 deutlich jünger als ihre Facebook-Pendant. Dies spiegelt die momentane Herausforderung für Facebook wieder. Medien melden vermehrt, dass Facebook “vergreist” und “uncool” für junge Leute wird. Diese suchen nach Alternativen und finden sie in Tumblr. Die Blogging-Webseite bietet seinen Nutzern Dutzende von Individualsierungsmöglichkeiten und gibt dem Netzvolk einen Teil der ursprünglichen “Anarchie” des Internets zurück. Nutzer können sich verwirklichen, ohne dabei die Anonymität zu verlieren. 

Und wie steht es um die Zukunft des “Geschäftsmodells Tumblr”?

Vermarktung und Monetarisierung sind oberste Ziele bei Tumblr. Dabei steht David Karp, CEO bei Tumblr besonders einer Herausforderungen gegenüber: Das Werbeumfeld für Marken und Unternehmen attraktiver werden zu lassen. Zum einen bestehen etliche Blogs aus nicht jugendfreiem Inhalt, zum anderen wird Content in Form von Fotos und Videos von Tumblr-Kuratoren lediglich rebloggt - die Rechte an diesen Inhalten sind meist nicht eingeräumt. Der Business Insider berichtet aktuell, dass Karp in der Facebook-Zentrale  im Gespräch mit Zuckerberg gesehen wurde. Demnach kann eine weitere Zusammenarbeit mit “Facebook Home” und Tumblr nicht ausgeschlossen werden.

 

Ob Tumblr aber wirklich die nächste Erfolgsgeschichte im Social Web wird bleibt abzuwarten. Schließlich stellt sich, ähnlich wie bei Facebook, die Frage: “Wie kann Tumblr finanziert werden?”. Momentan experimentiert die Blogging-Plattform noch mit “Promoted content mobile ads”, ist aber weiter auf der Suche nach einer Lösung die sowohl für Nutzer als auch Tumblr zufriedenstellend ist. Weiterhin bereitet die zunehmende Komplexität der Plattform dem Unternehmen zur Zeit noch Probleme. Im vergangenen Jahr lag die Ausfallzeit von Tumblr bei durchschnittlich 15,6 Stunden.