11.07.2018

Eine große Rolle beim digitalen Fortschritt in China spielen die Tech-Riesen Huawei und ZTE. Spezialist für Software-Innovationen ist Tencent, das mit Online-Spielen der Multifunktions-App WeChat vor kurzem im Firmenwert sogar Facebook überflügelt hat. 

Neben den großen Playern wie Tencent oder Huawei agieren in Shenzhen tausende kleiner Firmen als Zuliefer für Innovationen, Dienstleistungen und Hardware. So wird in die Realität umgesetzt, was hierzulande meist noch trockene Theorie ist oder die Visionen einer digitalen Community, die vom Durchschnittsbürger eher belächelt werden. Das fernöstliche Land hingegen hat eine klare Mission: 2030 will China die führende Nation für künstliche Intelligenz sein. 

Amtliche Dokumente aus dem Automaten

Beispiel E-Government: mit dem Document Roboter von Huawei können die Bürger rund um die Uhr amtliche Dokumente wie Pass oder Führerschein inklusive des offiziellen Amtssiegels abholen. Die Identifikation funktioniert komfortabel und sicher via Ausweis und Gesichtserkennung, im Prinzip wie auf dem Amt - nur eben automatisch und nicht mit Hilfe eines menschlichen Beamten. 

Ein solcher Prozess wäre wohl hierzulande kaum denkbar, die Angst vor Technik- und Datenmissbrauch ist gerade in Deutschland hoch. Das gilt wohl auch für die Jagd auf Verbrecher und Verkehrssünder im chinesischen Stil. Durch Videoüberwachung, Scanner in Kombination mit KI-gestützten Big Data-Analysen in der Kriminalitätsbekämpfung konnten die Aufklärungs- und Präventionsraten deutlich gesteigert werden. Shenzhen ist damit die erste Stadt Chinas, in der eine lückenlose Erfassung von Fahrzeugen und Menschen via Videokamera möglich ist. Auch dadurch ist Shenzen zu einer der sichersten Städte der Welt geworden.

In diesen Kontext gehört auch die App WeChat des Konzerns Tencent, die eine der größten Erfolgsgeschichten der chinesischen Digitalwirtschaft ist. Mit fast 1 Milliarde Nutzern erreicht die App über 60 Prozent der chinesischen Bevölkerung. Für westliche Standards unvorstellbar, aber in China nichts ungewöhnliches: WeChat dient auch als Plattform für staatliche Anwendungen. Eine Gesichtserkennungs-Software innerhalb der WeChat-App soll den staatlichen Personalausweis zeitnah ersetzen.

Chinesischer Gesamtmarkt ermöglicht Dynamik

Der riesige und demografisch junge chinesische Markt passt geradezu ideal zu den wachstumstreibenden Skalierungs- und Netzwerkeffekten in der digitalen Ökonomie. 2016 hatte China bereits 731 Millionen Internet-User, mehr als die USA und die EU zusammen. Die chinesischen Endkunden sind sehr technikaffin und nutzen die Services sehr stark. Der Markt ist mobile-getrieben: Fast jeder fünfte User nutzt ausschließlich Smartphones, verglichen mit nur 5 Prozent in den USA. 

Umweltschutz

Was in Düsseldorf oder Stuttgart derzeit noch als Lösung für den Verkehrs- und Abgaskollaps angedacht ist, wird in Shenzen vor den Toren Hongkongs längst selbstverständlich gelebt. Die gesamte Busflotte von 16.500 fährt rein elektrisch, der jährliche Einsparung an CO2 wird auf über 1,3 Millionen Tonnen geschätzt. Neu zugelassene Taxis dürfen nur noch elektrisch fahren.

Technologie unterstützt Sehbehinderte

Auch bei den täglichen Herausforderungen von Sehbehinderten hilft ein Produkt des Technologiekonzerns Huawei. Der "Meta Helmet". Er verfügt über Videokameras, die permanent Bilder der Umgebung machen und das schnelle 5G-Netz übertragen und mittels einer KI-gestützten Bilderkennungssoftware analysiert. Hier werden die Videodaten in Text umgewandelt, der wiederum als Audiodaten an den Sehbehinderten ausgespielt wird. So wird nicht nur eine räumliche Orientierung möglich, sondern auch alltägliche Kommunikation und Objekterkennung, die für Sehende selbstverständlich ist, etwa das Zählen von Geld.