28.02.2014

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona waren Wearables das Trend-Thema der Messe. Datenbrillen, smarte Uhren und Sensor-Shirts verknüpfen unseren Körper mit dem Internet. Die tragbaren Alleskönner begleiten uns sowohl in der Freizeit als auch auf der Arbeit. Wir stellen Ihnen neue Produkte vor und beleuchten die Frage, ob wir schon reif sind für das digitale Ich.

Die Computer-Uhr Samsung Galaxy Gear zeigt uns E-Mails und unsere Termine an, Armbänder wie das Fuelband von Nike bewachen unsere Fitness, und der tragbare Diener Kiwi Move ist der Butler der Smartphone-Ära: Wearables sind das nächste große Ding der Computertechnik. Steve Mann, Experten des Massachusetts Institute of Technology, träumte lange von tragbaren Computern, die unsere Fähigkeiten eweitern. Nun ist es Realität: Sensoren können mit allerlei Sinnen ausgestattet werden und Kameras sind kompakt genug, um sie in Rechner für das Handgelenk einzubauen. Die Technik ist reif, doch sind wir es auch?

Smarte Uhren und Brillen haben das Potenzial, unseren Umgang mit mobilen Geräten zu revolutionieren. Die Gestensteuerung und Sprachbefehle für Rechner werden für uns selbstverständlich sein. Joshua Flood, Analyst beim US-Marktforscher Abi Research, prognostiziert für 2015 bereits 165 Millionen verkaufter Wearables. „Langsam erst begreifen wir, gibt Flood an, „was mit vernetzten Geräten möglich wird.”

Diese drei Faktoren treiben die Entwicklung der tragbaren Rechner voran:

Drei Faktoren als Treiber der Wearable-Entwicklung from TWT Interactive

Samsung, Sony oder LG wollen sich nicht von Apple überrumpeln lassen und bringen daher zahlreiche Wearables auf den Markt. Dabei entstehen zum Teil schon skurril anmutende Geräte wie die Anstecknadel Narrative, die alle 30 Sekunden ein Foto aufnimmt und in der Cloud ablegt.

 

 

 

Ein anderes Beispiel ist das Mikrofon-Armband Kapture, das rund um die Uhr Gespräche und Geräusche aufnimmt. Neben diesen Nischenprodukten werden der Smartwatch die größten Verkaufschancen vorhergesagt. Die Uhren bündeln mehrere Funktionen in einem tragbaren Gerät. Apples iWatch gilt in diesem Segment als Vorreiter. Die iWatch soll Pulsuhr, Telefon und Blutdruckmesser in einem sein. Wearables als Trainer unseres Alltags? Der Berliner Autor Christoph Koch ist einer der sogenannten Self-Tracker, die Daten über ihr Verhalten und Ihre Gesundheit sammeln und auswerten. Durch das Experiment hat Koch bereits einige Selbstoptimierungen vornehmen können. Sein Schlaf-Stirnband gibt an, dass sein Schlaf ohne den nachmittäglichen Kaffee tiefer und erholsamer ist.

Alles in allem bleibt trotzdem die Frage, wie lange sich die tragbaren Helfer im Alltag der Nutzer etablieren können. Werden wir der Schrittzähler und Kalorienzähler müde? Oder wird bald jeder medizinische Sensoren am Körper tragen? Die Vorstellung, dass wir halb Organismus, halb Maschine sein werden, schreckt viele Menschen ab. Was bleibt ist die Faszination über die Chancen, die die Körper-Computer bieten. Vor allem Datenbrillen wie die Google Glass haben für die Industrie und den Handel enormes Potenzial. Die App “Glashion” verwandelt beispielsweise Googles Datenbrille in ein mobiles Shopping-Center. Blickt der Träger auf die Handtasche der Nachbarin und gibt daraufhin den Sprachbefehl zur Bilderkennung, identifiziert die Google Glass die Marke und sucht im Netz den passenden Anbieter heraus.

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Die Grenzen zwischen realer und virtueller Welt verschwimmen. Hersteller von Kleidung und Accesoires müssen eine durchdachte Strategie finden, so dass funktionierende Wearables und Health-Apps nicht nur bei den Technik-Liebhabern sondern auch in den Fußgängerzonen der Republik ankommen.