28.03.2018

Die Plattform-Ökonomie tendiert aufgrund des sogenannten Netzwerkeffekts extrem  zur Ausbildung von Monopolen: Die Attraktivität einer Plattform für Endkunden wächst mit steigender Anzahl und Qualität auf der Anbieterseite, was gleichzeitig neue Anbieter anzieht. So wächst die führende Plattform immer weiter, während schwächere Netzwerke tendenziell Reichweite verlieren. Im Bereich Social Media kommt hinzu: Je mehr Freunde in einem Netzwerk sind, desto attraktiver ist der Einstieg und desto schwerer der Ausstieg. Deshalb gibt es beispielsweise zu Konzernen wie Facebook und Amazon kaum ernsthafte Alternativen, außer im isolierten chinesischen Markt. Hier wiederholt sich der Marktmechanismus allerdings durch die einheimischen Pendants wie Alibaba oder Tencent. Stärker denn je gilt also in der Plattform-Ökonomie der Grundsatz: The Winner takes it all. In diese Marktlage tritt jetzt die Blockchain-Technologie. Um die Veränderungen besser zu verstehen, seien an dieser Stelle noch einmal die zentralen Aspekte der Technologie skizziert. 

Die revolutionären Vorteile der Blockchain

Abstrakt gesehen ist die Blockchain eine Distributed Ledger Technology, also ein Verzeichnis, das Vertrauen zwischen Teilnehmern eines dezentralen Netzwerks herstellt. Durch sie werden sichere Transaktionen zwischen Unbekannten möglich. Mithilfe rechenintensiver Kryptographieverfahren im dezentralen Computernetzwerk werden diese Transaktionen bestätigt und auf unendliche Zeit in die Blockchain geschrieben. 

Es gibt unterschiedliche Arten der Validierung, unter anderem das sogenannte Mining, einem Proof of Work-Verfahren. In jedem Fall entstehen durch den Abschluss einer Transaktion neue Blocks, die sich an existierende anschließen: so entsteht die Blockchain. 

Dieser gesamte Datensatz ist für alle Nutzer downloadbar, durch diese Redundanz entsteht zusätzlich zur Kryptographie eine weitere Sicherheit. Wollte jemand die Blockchain nachträglich manipulieren, müsste er also alle auf den verschiedenen Rechnern verteilten Daten ändern, was nahezu unmöglich ist. Durch die Mechanik der Blockchain-Technologie wird ein zentraler und revolutionärer Vorteil möglich: bei vielen Transaktionen wird ein Vermittler überflüssig, seien das Banken, Behörden oder Notare.

Vom Bitcoin zu Smart Contracts

Die Blockchain ist für Bitcoin entwickelt und durch sie bekannt geworden. Neben den mittlerweile tausenden Kryptowährungen gibt es viele andere Anwendungsgebiete wie Grundbucheinträge, Urheberrechtsinformationen, Lizenzen, Verfolgung von Liefer- und Wertschöpfungsketten oder Kauf- und Mietverträge.

Schnell ist man hier im Bereich Smart Contracts, einer Funktion, die durch die Community rund um die Ethereum-Blockchain entwickelt worden ist. Smart Contracts basieren auf einer vorausgegangen Abmachung zwischen mehreren Geschäftspartnern. Sie lösen eine definierte Aktion aus, sobald ein bestimmtes Ereignis eintritt. Beispielsweise kann eine Zahlung ausgelöst werden, wenn ein geliehener Gegenstand wie ein Auto oder Fahrrad ordnungsgemäß zurückgegeben wurde. 

Plattform-Ökonomie vor Disruption?

Diese Technologie bedroht das Plattform-Modell von Unternehmen wie Uber, Booking oder AirBnB im Kern. Deshalb ist mit entsprechenden Anpassungen der Geschäftsmodelle, aber vor allem auch mit zahlreichen neuen Marktteilnehmern zu rechnen. Die Tech-Branche steht also selbst vor einer Disruption, mit der sie vor einigen Jahren noch die arrivierten Marktteilnehmer zu massiven Veränderungen gezwungen hat. Die Geschwindigkeit, in der das stattfindet, ist enorm und nicht zu unterschätzen. Was bedeutet das nun konkret? Im Folgenden seien einige Marktsegmente und Unternehmen vorgestellt, in denen es schon erste Cases und Geschäftsmodelle auf der Blockchain gibt. 

Social Networks

Der Groll gegenüber Facebook wächst weltweit. Immer stärker reift die Erkenntnis der Nutzer, dass ihre Daten bares Geld wert sind, welches momentan nur in den Taschen des US-Unternehmens landet. Dazu kommen massive Datenskandale in jüngster Zeit, die Mark Zuckerberg in Erklärungsnot gebracht haben. Hier setzt eine neue Generation von Social-Media-Netzwerken an, die auf einer dezentralen Struktur basieren. Eines dieser Unternehmen ist Steem, dessen Philosophie sich so beschreiben lässt: Nutzer und ihre Inhalte stellen den eigentlichen Wert des Netzwerks dar, so sollen sie für ihre Leistung auch belohnt werden. Deshalb gibt es zur Incentivierung von Aktivitäten die Kryptowährung Steemit. Die Währung ist bereits schon frei handelbar, das heißt, sie kann auch in sogenanntes Fiat-Geld wie Euro oder US-Dollar getauscht werden.    

Mobilität

Uber ist immer stärker auf dem Weg zum Monopol, was den Handel mit individueller Mobilität abseits des Taxi-Gewerbes angeht. Diese Marktstellung greifen Startups wie Arcade City und Lazooz an. Neben dem dezentralen Netzwerk bringen die Unternehmen auch Kryptowährungen mit, die zum Bezahlung der Services genutzt werden können. Ziel ist es, dass die Nutzer statt über die vermittelnde Plattform direkt über die Blockchain Preise verhandeln und Verträge abschließen können. Sollte dieses Konzept aufgehen, werden die Dienste von Uber mittelfristig obsolet. Einen Schritt weiter geht das deutsche Startup Slock.it, das auf Basis der Ethereum-Technologie ein Netzwerk schafft, auf dem prinzipiell alle Gegenstände getauscht und gehandelt werden können, seien es Autos oder Wohnungen. Einzige Voraussetzung ist, dass die Gegenstände mit Bluetooth vernetzbar sind, um sie dann in einem „Universal Sharing Network” zu verknüpfen, indem per Smart Contracts Geschäfte definiert und abgewickelt werden. 

Ein Netzwerk für die Stromnutzung

Ein bekanntes Beispiel für die gemeinsame Nutzung von selbst erzeugtem Strom ist das Projekt Brooklyn Microgrid im gleichnamigen New Yorker Stadtteil. Wird in dem nachbarschaftlichen Netzwerk von privaten oder gewerblichen Teilnehmern zu viel Strom erzeugt, kann der Überschuss über die Blockchain an Nachbarn verkauft werden, während sich die Preise über automatisierte Auktionen generieren. In Deutschland laufen Testphasen lanciert beispielsweise von E.ON mit dem Startup Strombewegung. In der Nähe von Hannover läuft ein Experiment, in dem eine Selbstversorgergruppe Ökostrom austauscht und abrechnet.  

Fazit

Die bestehenden Plattformen wie Uber und Facebook sind finanzstark und verfügen dank des Netzwerkeffekts und technologischer Führerschaft über eine sehr gute Markt- und Nutzerbasis. Allerdings ist die Frage, ob sie sich auch auf die neue Blockchain-Technologie einstellen können. Fest steht: Zahlreiche Startups mit starken Entwickler-Communities werfen Produkte auf den Markt, die für große Aufmerksamkeit sorgen werden. Allerdings wird sich die Blockchain-Technologie auch noch als marktreif erweisen müssen, Kinderkrankheiten sind hier sicherlich zu erwarten.