29.01.2021

Clubhouse launchte bereits 2020 auf dem US-amerikanischen Markt und löste dort im letzten Jahr einen ähnlichen Hype aus wie jetzt bei uns. Nicht zuletzt, da sich auf der sozialen Plattform Megastars wie Marc Andreessen, Oprah Winfrey, Drake und Gary Vaynerchuk die Klinke in die Hand geben. Die Audio-only-App vermischt dabei clever Elemente von Podcasts mit denen digitaler Konferenzen. Nutzer*innen könnten Räume zu unterschiedlichen Themen erstellen und dort miteinander diskutieren. Wer jeweils Sprecher-Rechte erhält, entscheiden Moderator*innen, Teilnehmende können sich aber per Klick zu Wort melden. Clubhouse ist kostenlos und derzeit nur für iOs erhältlich. Die Zugänge sind bewusst begrenzt: Alle Nutzer*innen können je zwei Invites an ihre Kontakte vergeben. Die dadurch entstandene Fear-of-Missing-Out (FOMO) war maßgeblich mitverantwortlich für den Hype der App.

Wir haben unsere Expert*innen bei TWT ganz in Clubhouse-Manier gebeten, den Hype um die App für uns einzuschätzen. Das sind ihre Antworten:  

 

Wie seid ihr zu Beginn auf “Clubhouse” aufmerksam geworden? 

 
Tobias Tellers, Lead of Social Media, TWT Online Marketing

“Ich habe zuerst von Bekannten auf Instagram davon erfahren.” 

Nicole Nuppenau, Marketing Managerin Event, TWT Digital Group:

“Bei mir war es LinkedIn: Sonntags füllte sich plötzlich mein Feed mit dem Thema.”

Torsten Seiler, Creative Director/Concept, TWT reality bytes: 

“Ich bin über Twitter auf Clubhouse aufmerksam geworden – auch direkt am ‘ersten’ Wochenende.” 

Markus Neckar, Creative Director, TWT Interactive:

“Bei mir war es, genau wie bei Torsten, auch Twitter.”

Christoph Korfhage, Lead of Experience Design, TWT Interactive:

“Ja, bei mir lief es auch über das persönliche Netzwerk. Unmittelbar danach lief die Digital-News-Bubble über.” 

 

Was haltet ihr von dem Konzept, dass man nur auf Einladung beitreten kann? 

 
Tobias Tellers, Lead of Social Media, TWT Online Marketing:

“Das Prinzip der künstlichen Verknappung ist im Grunde ein alter Hut, wurde im Fall von Clubhouse aber sehr smart eingesetzt. Nur zwei Invites pro Person macht das Ganze sehr effektiv.” 

Nicole Nuppenau, Marketing Managerin Event, TWT Digital Group:

“Ich habe diesbezüglich gemischte Gefühle. Natürlich werden auf der einen Seite Nutzer*innen gewissermaßen ausgeschlossen – obwohl sich ja doch eine Menge Menschen anmelden. Auf der anderen Seite finde ich diese Einstiegshürde ganz angenehm, weil ich die Hoffnung habe, dass sich der Spam dadurch in Grenzen hält. Das ist bisher aber natürlich nur eine Vermutung.” 

Torsten Seiler, Creative Director/Concept, TWT reality bytes:

“Ich halte den Invite-FOMO-Effekt natürlich auch für eine gelungene Marketingstrategie, kann mir aber gut vorstellen, dass es für ein noch kleines Unternehmen mit vielen sendungsbewussten VCs und dem riesigen Hype im Rücken schwer ist, nebenbei noch eine stabile, skalierende Android-Version bereitzustellen. Mit einer größeren Marktabdeckung würde sich ja nicht nur die Last auf die technischen Prozesse erhöhen, sondern auch exponentiell mehr Anfragen an die UX und die Moderation gestellt werden.” 

Christoph Korfhage, Lead of Experience Design, TWT Interactive:

“Was Clubhouse macht ist natürlich clever, um eine solide Nutzer*innenbasis aufzubauen. Zum einen wird durch die künstliche Verknappung Fear-Of-Missing-Out ausgelöst, zum anderen werden gleich ganze Netzwerkfamilien integriert – fünf bis sechs Leute kennt man ja eigentlich immer auch persönlich. Ich finde allerdings die iOs-only-Lösung nicht optimal. Da steckt für mich kein nachvollziehbarer Grund dahinter.”

Markus Neckar, Creative Director, TWT Interactive:

“Als ich eingestiegen bin war der strikte Einladungszwang schon gelockert: Nutzer*innen, mit denen du auf einer anderen Plattform verbunden bist, können dich inzwischen auch reinlassen. Das war für mich natürlich praktisch, trotzdem finde ich es konzeptionell inkonsequent. Damit wird die ursprüngliche Idee der strikten Verknappung zugunsten des exponentielleren Wachstums aufgegeben.”

 

Was war euer erster Eindruck der App? 

 
Tobias Tellers, Lead of Social Media, TWT Online Marketing:

“Minimalistisch und einfach zu verstehen. Die Vielfalt der Contentformate ist aufgrund des klaren Fokus’ auf Sprache natürlich stark eingeschränkt. Es wird sich zeigen, wie lange das die Nutzer*innen motiviert.” 

Nicole Nuppenau, Marketing Managerin Event, TWT Digital Group:

“Es ist sehr angenehm, dass man überall mal reinhören kann und trotzdem direkt das Gefühl hat, man stelle sich auf einer Veranstaltung in einen kleinen, familiären Gesprächskreis. Das ist eine Art von Gefühl, das ich durch Corona sehr vermisst habe. Ich habe neulich ein schönes Zitat von OMR-Gründer Philipp Westermeyer dazu gelesen: ‘Die App ist wie eine große Klassenfahrt mit Leuten aus der Digitalbranche’. Das fasst das Ganze in meinen Augen schon sehr gut zusammen.” 

Torsten Seiler, Creative Director/Concept, TWT reality bytes: 

“Ich verwende die App als Discovery Tool. Ich kann mich – im Vergleich zu Podcasts – viel mehr überraschen lassen. Und ich entdecke sehr viele, interessante Personen, denen ich dann auch auf anderen Social-Kanälen folge, woraus sich dann wieder Inspiration und gegebenenfalls ein fachlicher Austausch entwickelt.” 

Christoph Korfhage, Lead of Experience Design, TWT Interactive: 

“Die Anmeldung lief super schnell und einfach. Das eigentliche Onboarding dann in Form eines Welcome Rooms mit Nutzer*innen aus dem persönlichen Netzwerk zu lösen, ist gar nicht dumm. Dadurch spart man sich aufwändige Erklärbär-Slides und lässt das einfach die Clubhouse-Freunde übernehmen. Allerdings war mir nicht direkt klar, ab wann das Mikro aktiv ist und mich andere Leute hören können. Da sehe ich, genau wie beim Datenschutz, noch Verbesserungspotenzial. Dadurch dass Nutzer*innen beim Anmelden in der App ihr gesamtes Adressbuch teilen können, geisterten meine Nummer und mein Name bereits lange vor meinem eigentlichen Beitritt auf der Plattform herum.”

Markus Neckar, Creative Director, TWT Interactive:

“Die App ist super: Sehr intuitiv und ausreichend spielerisch. Die Möglichkeit, beim Onboarding direkt einen Raum mit Bekannten und dem neuen Mitglied zu starten, fand ich auch total unterstützend beim Einstieg. Hier gilt definitiv: Das erste Mal vergisst man nie.” 

 

Was gefällt euch besonders gut an Clubhouse? 

 
Tobias Tellers, Lead of Social Media, TWT Online Marketing:

“Man findet mal ganz neue Formate und eine neue Art der Kommunikation.” 

Nicole Nuppenau, Marketing Managerin Event, TWT Digital Group:

“Bei nahezu  jedem Reinhören findet man ein spannendes Thema – das finde ich super.” 

Torsten Seiler, Creative Director/Concept, TWT reality bytes:

“Gesprächsräume zu schaffen ist in meinen Augen immer eine gute Idee. Vor allem für marginalisierte Gruppen sind Austauschplattformen mit Personen, zu denen man sonst nicht so einfach Zugang findet, wertvoll. Das Onboarding ist toll gelöst, wenn man die zwingende Kontakte-Upload-Funktion außer Acht lässt. Mir gefallen auch die Vorschläge für neue Gespräche, die sich aus den Personen ergeben, denen ich folge. Moderation und Teilnahme sind technisch niedrigschwellig gelöst.”

Christoph Korfhage, Lead of Experience Design, TWT Interactive:

“Mir gefallen besonders die zufälligen Inspirationen, über man bei der Nutzung stolpert und die Tatsache, dass man jederzeit einen unauffälligen Abgang hinlegen kann, ohne dass die Gesprächsrunde darüber informiert wird, wer gerade geht.” 

Markus Neckar, Creative Director, TWT Interactive

“Mir gefällt die Konsequenz der Reduktion auf Audio: Es gibt keinen Chat, keinen Stream, keine Terminverwaltung und dadurch kaum Restriktionen.”

 

Angenommen, ihr könntet an Clubhouse mitentwickeln: Was wären eure Änderungswünsche, die ihr umsetzen würdet? 

 
Nicole Nuppenau, Marketing Managerin Event, TWT Digital Group:

“Definitiv die Inklusion von Android und eine damit einhergehende größere Zugänglichkeit für weitere Nutzer*innen.” 

Torsten Seiler, Creative Director/Concept, TWT reality bytes:

“Ich würde individuellere Einstellungsmöglichkeiten bei den App Notifications sehr begrüßen. Es gibt für meinen Geschmack zu viele offensichtliche Selbstvermarktungsräume, die einem in die Discovery gespült werden. Mein Joker-Wunsch wäre ein ‘Stealth Mode’, so dass man in Räume gehen und sich dort beteiligen kann, ohne dass es gleich Notifications für sämtliche Follower*innen regnet.” 

Christoph Korfhage, Lead of Experience Design, TWT Interactive:

“Das sehe ich ähnlich. Ich habe gerade am Anfang sehr viele App Notifications zu Themen bekommen, die nicht wirklich meinen Interessen entsprechen. Das hat teilweise die Frequenz meiner Messenger Apps überstiegen. Die Einstellungen erlauben lediglich eine Skala von “very frequent” bis “very infrequent”. Sehr transparent scheint mir das leider nicht. Als Speaker fehlt mir außerdem häufig eine niedrigschwellige Rückmeldung der Anwesenden. Häufig trauen sich nur die sendungsbewussten Teilnehmer*innen eine Wortmeldung zu. Das kann das Meinungsbild schon sehr verzerren. So etwas wie eine Like/Dislike-Funktion wäre schon ganz gut. Vielleicht sogar in der Form, dass pro Tag nur zehn Reactions pro Person verteilt werden können. Das wäre dann eine Quasi-Währung im Clubhouse-Universum, mit dem Vorteil, dass die Sessions nicht zugespamt werden können.”

Markus Neckar, Creative Director, TWT Interactive:

“Ich empfinde den Vorschlagsalgorithmus für Räume als relativ unzureichend. Mir werden zum Teil komplett absurde Themen angeboten. Hier würde ich mir eine bessere Analyse meiner Interessen wünschen, damit das Matching passender wird.”

 

Glaubt ihr, das Konzept Clubhouse wird langfristig erfolgreich sein?

 
Tobias Tellers, Lead of Social Media, TWT Online Marketing:

“Ehrlich gesagt nicht. Das Format bedarf viel aktiver Aufmerksamkeit. Sich zwischendurch berieseln zu lassen ist nur schwer möglich. Ich persönlich denke, Clubhouse wird eine Nische bleiben.” 

Nicole Nuppenau, Marketing Managerin Event, TWT Digital Group:

“Ich bin da noch unschlüssig. Ich glaube, ein essentieller Punkt wird sein, wie sich die App weiterentwickelt, wenn Corona vorbei ist. Das Konzept finde ich klasse, aber der Erfolg ist in Teilen auch der aktuellen Zeit geschuldet. Wenn wir nicht alle so viel Zeit zu Hause verbringen würden, sähe das vielleicht anders aus.” 

Markus Neckar, Creative Director, TWT Interactive:

“Das mit Corona sehe ich ähnlich. Viele Leute – mich eingeschlossen – sehnen sich danach, mal wieder in eine Bar oder einen Club zu gehen und Freunde zu treffen. Bis der Corona-Impfstoff da ist, muss sich Clubhouse etabliert haben.”

Torsten Seiler, Creative Director/Concept, TWT reality bytes:

“Hm, ich könnte mir das schon vorstellen, vielleicht entsteht einfach eine neue Nische. Man muss auch nicht gleich alles direkt im ersten Jahr bewerten, finde ich.” 

Christoph Korfhage, Lead of Experience Design, TWT Interactive:

“Ich bin ja mal gespannt, ob und wenn ja, wie schnell sich das Bedürfnis nach Talks und Gesprächen abnutzt. Audio-only finde ich generell interessant. Gerade im Lockdown entfaltet Clubhouse echte Stärken und sorgt für ein bisschen Hype und Abwechslung im Alltag. Aber man muss sich schon die Zeit nehmen, aktiv zuzuhören. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sich feste Formate zu festen Uhrzeiten entwickeln. So richtig gut wird man das aber erst bewerten können, wenn der Zugang auch für Android-Nutzer*innen problemlos möglich wird.”