09.04.2018

Die Daten, die im individuellen Verkehr entstehen, sind von sehr hohem Wert. Sie geben beispielsweise Auskunft über Gemütslage und Interessen der Insassen, Fahrtziele, Routen und sonstige Verkehrsdaten in riesigen Ausmaßen. Zunehmend werden sich die Nutzer bewusst, dass diese Daten prinzipiell ihnen gehören. 

Bis dato war der Deal zwischen Nutzern und den großen Tech-Unternehmen wie Google und Facebook, dass die Konzerne ihre Services im Austausch zu den persönlichen Daten umsonst anbieten. Wie lange das noch so bleibt ist ungewiss. Neue Dienstleister werden in den Markt kommen, die auf Basis anderer Geschäftsmodelle die Daten im Besitz der Nutzer lassen. Technisch möglich könnte das durch die Blockchain werden. Automobilhersteller müssen sich also überlegen, wie sie sich hier positionieren wollen oder können.

Wollen Sie Daten selbst aggregieren oder mit Dritten wie Google kooperieren? Wollen Sie die Daten selbst verarbeiten oder als Händler auftreten und die Daten vermarkten? Eine weitere Möglichkeit ist, die Nutzer in die Lage zu versetzen, die Daten selbst zu vermarkten: das wäre sicherlich eine der innovativsten Strategien. Wichtig ist der in jedem Fall der Schutz der Daten - aufgrund der Mobilität und des hohen Vernetzungsgrads ist die Anfälligkeit für Attacken besonders groß. Die Hersteller brauchen also sichere Konzepte - Kooperationen zwischen einzelnen Unternehmen  könnten hier für Synergieeffekte und höhere Sicherheit sorgen. 

Blockchain und Automatisierung

Auch in der Automobilindustrie spielt die Blockchain eine immer größere Rolle in der Wahrnehmung der Verantwortlichen, aber auch in ersten Test- und Kick-Off-Projekten. Porsche beispielsweise will die Technologie nutzen, um den Zugang zum Fahrzeug zu vereinfachen und sicherer zu machen. Daimler experimentiert sogar mit einer eigenen Kryptowährung. Auch Audi will erste Gehversuche mit der Blockchain in ein größeres Projekt zur Verbesserung der Distribution einsetzen. Zahlreiche weitere Anwendungsbeispiele sind denkbar, beispielsweise bezüglich der Sicherung von Besitzverhältnissen von Fahrzeugen, Reparaturvorgängen oder Kilometerständen. 

Vor allem in der Liefer- und Produktionskette könnte die Implementierung der  Blockchain-Technologie einen entscheidenden Mehrwert bieten. Das sorgt nicht nur für mehr Effizienz und Transparenz, sondern auch für vielfältige Möglichkeiten bei der Produktindividualisierung für einzelne Kunden. Hier können auch Mechaniken von künstlicher Intelligenz bei der Verbesserung von Workflows, Auslastungen und der Mensch-Maschine-Kommunikation in Automatisierungsprozessen sorgen.  

Verschiebung der Marktmacht zum Kunden

Vor den verstärkt auftretenden Auswirkungen der Digitalisierung in den letzten Jahren haben beim Automobilhandel vor allem zwei Parteien profitiert: Der Hersteller und der Verkäufer. Als Hauptinformationsquellen für Interessenten dienten oft durch die Kommunikationsabteilungen beeinflusste Fachzeitschriften und Werbepublikationen in Lokalzeitungen, entsprechend intransparent war der Markt für Käufer. Hinzu kam die Verpflichtung zu Verhandeln, um nicht überhöhte Preise zahlen zu müssen.Diese Situation hat sich stark verändert, Kunden sind heutzutage oft sehr umfassend informiert.

Portale für Neu- und Gebrauchtwagen bieten relativ hohe Transparenz und zahlreiche Kauf- und Finanzierungsmöglichkeiten wie Re-Importe oder Tageszulassungen. Die klassischen lokalen Händler müssen sich darauf einstellen, indem sie ihr Onlineangebot über eigene Kanäle und Drittanbieter-Plattformen ausbauen und ihre Angebote im Autohaus digital aufwerten und verknüpfen, beispielsweise über Virtual Reality.  

Ein Menschheitstraum: Autonomes Fahren

Wie Umfragen zeigen, ist das autonome Fahren bereits in den Köpfen vieler Menschen angekommen. Verknüpft damit ist die Hoffnung auf eine deutliche Reduktion von Verkehrsunfällen und -toten und ein enormer Zeit- und Komfortgewinn. Mit dem assistierten Fahren erleben wir gerade ein Zwischenstadium auf dem Weg zum autonomen Fahren, beispielsweise über Tempomat, Spurhalte- und Parkassistenten, Head-Up-Systeme und andere Technologien. 

Trotz einiger Probleme mit Unfällen bei komplett autark fahrenden Autos schreitet die technologische Entwicklung rasant voran. Im Mittelpunkt stehen dabei die Technologien GPS, Sensoren, Kameras, Konnektivität und Algorithmen. Gleichzeitig müssen allerdings rechtliche und moralische Fragen geklärt werden, insbesondere beim Fahrverhalten in kritischen Situationen und bei den Unfallfolgen. Auch die Risiken bezüglich Cyber Security steigen, etwa bei Daten-, Diebstahl- und Manipulationssicherheit.

Inwieweit der Zweikampf zwischen Silicon Valley und klassischen Automobilindustrie sich in dieser Dualität weiter verschärfen wird, ist schwer absehbar. In den letzten Monaten ist klar geworden, was deutsche Konzernchefs seit Jahren zu Protokoll geben: Auch bei den Tech-Konzernen wachsen die Bäume nicht in den Himmel, wie Fertigungs-, Sicherheits- und Entwicklungsprobleme bei Tesla und Uber zeigen. Das Rennen ist für die deutschen Hersteller also lange noch nicht verloren.  

Vorausschauende Wartung und die Cash Cow Aftersales

Wie in anderen Industriezweigen ist Predictive Maintenance ein großes Thema in der Automobilbranche. Aus der Ober- und Mittelklasse sind solche Funktionen schon ansatzweise bekannt, beispielsweise eine permanente Messung des Reifen- oder Öldrucks mit entsprechender Warnmeldung an den Fahrer. Diese Technologien werden sich noch weiter verbreiten und funktionell vertiefen. Konkret heißt das: Aufgrund von Sensorik- und Big Data-Analysen kann zukünftig ein Problem erkannt werden, bevor es tatsächlich auftritt. So lassen sich Kosten und Ausfallzeiten signifikant senken sowie unangenehme und oftmals gefährliche Pannen minimieren. Mithilfe von digitalen Assistenten und Machine-to-Machine-Kommunikation könnte zukünftig auch ein Servicetermin automatisiert vereinbart und abgewickelt werden. 

Allgemein ist der Bereich Aftersales für die Automobilbranche eine Cash Cow und entsprechend von hoher Bedeutung. Auch hier hat die Digitalisierung große Auswirkungen, beispielsweise möchten Kunden zunehmend elektronisch Termine vereinbaren und die passende Werkstatt finden. Dazu können auch Apps gehören, die über den Stand von Wartungen und Reparaturen informieren. Mit der Digitalisierung steigt die Markttransparenz - freie Werkstätten punkten in diesem Umfeld gegen die herstellergebundenen Werkstätten. Was im Aftersales durch die einzelnen Händler fast völlig vernachlässigt wird, sind die enormen Möglichkeiten von Big Data, etwa zur Bewerbung von Wartungsleistungen. Zumeist sind in den Stammdaten der Kunden noch nicht einmal die E-Mail-Kontaktdaten vorhanden.  

Mobility-As-A-Service (MaaS) und vernetztes Fahren

Was einstmals der Traum aller jungen Erwachsenen war, wird immer stärker zum geteilten Gemeinschaftsgut: die individuelle Mobilität. Gründe dafür gibt es viele, von steigenden Kosten, urbanen Verkehrskollaps, nachhaltigem Umweltdenken, diversen Abgas-Skandalen über den allgemeinen Sharing-Trend in der jungen Generation. Der Besitz eines eigenen Fahrzeugs ist für viele im städtischen Raum kein Statussymbol mehr, wichtig ist nur noch die Verfügbarkeit. Daraus entsteht eine Dienstleistung, nämlich Mobility-As-A-Service (MaaS). Diese Entwicklung haben Car Sharing- und Dienstleistung-Startups wie Flinkster und Flixbus oder Uber und Lyft frühzeitig erkannt und die entsprechenden Strukturen in größeren Städten aufgebaut. Viele Hersteller haben mittlerweile mit eigenen Angeboten nachgezogen, um diese Felder zu besetzen. Ford bietet sogar einen eigenen Fahrrad-Leihservice an. Schaut man sich die Apps und Konzepte näher an, wird deutlich, dass die Nutzung eines Fahrzeugs aus Sicht der Hersteller zukünftig nur noch ein Teil in der Mobilitätskette zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wie Bus & Bahn, Taxi oder Fahrrad sein dürfte. 

Smart Cities als Spielfeld der Automobilindustrie

In der Steuerung von Dienstleistern wie Taxi-Unternehmen, privaten Unternehmen wie Uber, öffentlichem Nahverkehr und privaten PKW-Nutzern lassen sich enorme Synergieeffekte zum Wohle des urbanen Raums erzielen. So können Verkehrssicherheit erhöht, Staus und Umweltbelastungen vermindert werden. Das ist eine große Chance für die Automobilindustrie. Wenn sie in diese Richtung forscht und entwickelt, hat sie gute Chancen, bei der Gestaltung der Smart Cities maßgeblich mitzuwirken. Dazu gehört vor allem eine hohe Konnektivität der Fahrzeuge untereinander und die ständige Kommunikationsfähigkeit mit städtischen Infrastrukturen wie Verkehrssystemen, Ampeln oder Parkmöglichkeiten.

In diese Richtung gehen die losen Kooperationen von VW mit der IOTA Foundation sowie BMW mit VeChain. Diese Blockchain-Startups arbeiten an der Vernetzung von Maschinen in einem zukünftigen Internet of Things (IOT) mit der Möglichkeit zur Einbindung von Kryptowährungen, etwa zur automatisierten Bezahlung von Maut oder Parkgebühren.