11.04.2016

Streamingdienste vs. Videoportale

Wo werden Videos konsumiert? Gleich zu Beginn der Veranstaltung präsentierten BVDW-Vizepräsident Marco Zingler und Business-Moderator Martin W. Puscher die Ergebnisse einer Umfrage: Klassische Videoportale wie YouTube oder Vimeo sind nach wie vor die Formate, auf die die Mehrheit der User beim Videokonsum zurückgreifen. Deutlich wird jedoch: Streamingdienste holen stark auf – eine Chance für längere Videoformate. Erstaunlich war der Gap zwischen Ost-West: Während 58 Prozent der User aus den alten Bundesländern über Videoportale konsumieren, sind es in Ost-Deutschland nur 48 Prozent.

Formate fürs Smartphone punkten am morgen

Beindruckend war die Präsentation von Steve Langdon aus London. Er zeigte unter dem Stichwort “Content in context” deutlich auf, dass das die verschiedenen Devices zu unterschiedlichen Zeiten verwendet werden.

  • morgens: verstärkt Smartphones

  • tagsüber: Desktop

  • abends: Tablets and Connected-TVs

Dies hat entsprechend Einfluss auf die strategische Ausrichtung des Bewegtbild-Content: Kurzformatige Videos, insbesondere im Entertainment-Bereich, sind besonders morgens empfehlenswert, beispielsweise über Social-Portale bereitgestellt. Umfangreiche Formate wie Reportagen ziehen hingegen am Abend.

Dauerhaftes Ziel sollte es sein, die User langfristig zu binden. Um Videos zu monetarisieren – und letztlich Geld damit zu verdienen, sollte die sogenannte “engaged and habitual” Video-Zielgruppe angesprochen werden:

Dreiteilung der Video-Consumer

  • Casual Viewers (Social)

  • Registered Users (Data gathering)

  • Engaged & Habitual

Big Data – auch im Bewegtbild

Auch im Bewegtbild-Bereich spielt die Datenerhebung und somit das exakte Kennenlernen der Zielgruppe eine immer wichtiger werdende Rolle. Im Zuge dessen ist “Personalisierung” ein Buzz-Word der Branche. Indem Videoinhalte auf Basis von erhobenen Daten exakt auf die Zielgruppe zugeschnitten werden, kann ein Unternehmen folgende Benefits herausziehen:

  • Customer engagement

  • Customer experience

  • Conversion rates

  • Lead generation / customer acquision

  • E-Commerce revenues

Video-Werbung in Zeiten von Ad-Blockern

In Sachen Nutzererfahrung schneiden Video-Ads nicht sonderlich gut ab: Für 74 Prozent der Nutzer ist Bewegtbild-Werbung, insbesondere wenn sie automatisch mit Ton abgespielt wird, ein Grund, einen Ad-Blocker zu installieren. Eine besondere Chance bieten hier sogenannte Native-Ads, also das Einbringen von Werbeformaten in redaktionelle Beiträge, ohne dass diese als störend empfunden werden. Bei der sogenannten inRead Lösung wird so ein Werbevideo erst dann abgespielt, wenn das Video im lesbaren Bereich ist.

Für den User bedeutet dies keine erzwungenen Videoviews, die Werbeschaltenden können in Premium-Umfeldern wie Spiegel Online ebenso Erfolge aufweisen: Umfragen zufolge benannten bis zu 91 Prozent eine Markenerinnerung bei idealer Platzierung, bis zu 50 Prozent sehen in Native Ads sogar einen Mehrwert. Dieses Thema wird mit Sicherheit in der kommenden Zeit mehr Beachtung finden.

Welche Chancen bietet Bewegtbild für Unternehmen?

Videos kommen bei den Usern an und bieten Unternehmen die Möglichkeit, seine Zielgruppe noch exakter kennenzulernen. Durch effektives Messen von Videocontent über verschiedene Devices hinaus lassen sich Daten zur Zielgruppe erheben, die dabei helfen, Targeting zu betreiben, jedoch auch die Inhalte so zu gestalten, dass sie noch optimaler auf die Zielgruppe ausgerichtet sind. Zudem lassen sich auf diese Weise neuer Formate entwickeln, um die Kunden langfristig zu binden.

Trends für 2016 / 2017:

  • Live-Videos wie Twitter und Facebook

  • 360° Videos

  • Native Ads

  • How-to-Videos auf YouTube

Top-Speaker der Bewegtbildkonferenz:

Oliver Rosenthal von Google. Seine Präsentation zum digitalen Storytelling via Bewegtbild war voll mit guten Kennzahlen und praktischen Cases. Insbesondere die Qualitätsmerkmale Hero-Content, Help-Content sowie der Hub-Aspekt haben viele Impulse gegeben, Content-Marketing im Videobereich zu fokussieren.

Fazit & Feedback an die Organisatoren:

Die Veranstaltung selbst ist eine grandiose Idee des BVDW: Wirklich gute Speaker, eine fesche Location und ein breites Themenspektrum. Die Themenblöcke sind meines Erachtens jedoch etwas zu lang: Keine Pause im Vormittagsblock – da wurden leider einige unruhig. Vielleicht kann das bei der nächsten Bewegtbildkonferenz berücksichtigt werden. Themenschwerpunkt war definitiv die Monetarisierung von Bewegtbild-Formaten. Hier spielte unter anderem das Advertising eine Rolle – mit vielen Möglichkeiten für Unternehmer und Publisher.

Autor: Joachim Gerloff