27.03.2018

Während die Finanzbranche aufgrund der Nähe zu den Kryptowährungen und den Anwendungsmöglichkeiten für Finanztransaktionen als Treiber des Wachstums im Bereich Blockchain führend ist, zeigt sich momentan vor allem die Healthcare-Branche für Innovationen und Visionen verantwortlich. Eine Branchenstudie von IBM hat 200 Healthcare-Entscheider befragt: 16 Prozent sind bereits über das Teststadium hinaus und rechnen mit marktfähigen Lösungen noch in diesem Jahr. Weitere 56 Prozent der Befragten wollen bis 2020 folgen und Blockchain-Lösungen implementieren.

Blockchain: Verschlüsseltes und dezentrales Register

Die Blockchain kann als eine Art digitales Register betrachtet werden, in dem Transaktionen zwischen verschiedenen Parteien verzeichnet werden. Die entstehenden Daten werden dezentral und verschlüsselt auf sehr vielen Rechnern gespeichert, dadurch ist eine hohe Fälschungs- und Manipulationssicherheit gegeben. Jede neue Transaktion wird unabhängig von Sender und Empfänger durch neutrale Teilnehmer des Netzwerks bestätigt. Einmal getätigte Transaktionen können nicht rückgängig gemacht werden, dadurch entsteht eine hohe Transparenz.

Eine Kombination solch innovativer Charakteristika gab bis dato nicht - viele Experten sprechen deshalb von dem revolutionären Potential der Technologie. Sie könnte das Internet auf einen neue Entwicklungsstufe heben und enorme Disruption in bisher nicht digitalisierte Bereiche bringen. So könnte durch die Dezentralität der Blockchain die Notwendigkeit von zentralen Vermittlern wie ein Notaren, Banken und staatlichen Behörden wegfallen.

Großes Potential für Healthcare 

Diese Vorteile existieren im Besonderen auch im Gesundheitsbereich, beispielsweise für die sichere und flexible Aufbewahrung für Patientendaten. Diese unterliegen nicht nur besonderen Anforderungen bezüglich des Datenschutzes, sondern haben auch lebenswichtige Funktionen, beispielsweise bei der Feststellung von Blutgruppe, Krankheitsbild oder Medikation. 

Einer der Vorreiter der Blockchain-Technologie auf nationaler Ebene ist Estland. Im März 2017 hat die estnische Gesundheitsbehörde eine Kooperation mit dem Blockchain-Unternehmen Guardtime zur Digitalisierung der Gesundheitsdaten aller Bürger geschlossen. Auch Dubai denkt in diese Richtung und hat ein Testprojekt gestartet, um den Einsatz von Blockchain für die Sicherung der Patientendaten zu prüfen. 

Momentan liegen medizinische Daten im Normalfall verteilt an vielen Stellen wie dem zuständigen Hausarzt, Fachärzten oder Krankenhäusern. Ein Beispiel: allein im Bereich der Stadtverwaltung von Boston werden derzeit 26 unterschiedliche Medizinakten-Systeme eingesetzt. Die Patienten verfügen selbst oft nur über einen fragmentierten Datensatz. Und im Notfall kann meist gar nicht auf die Daten zugegriffen werden. Diese Probleme können mit einem eindeutigen Speicherort in der Blockchain gelöst werden, auf den Befugte jederzeit dezentral zugreifen können.

Kampf gegen Medikamentenfälschungen

Ein sensibles und unter Umständen lebensgefährliches Thema sind die zunehmenden Medikamentenfälschungen im Kontext von Globalisierung und vernetzten Märkten. Schätzungen zufolge sind in den Entwicklungsländern der südlichen Hemisphäre zwischen 10 bis 30 Prozent der verkauften Medikamente Fälschungen. Doch auch auf lokaler Ebene im traditionellen Handel kann das zu einem großen Problem werden, wie der Fall des Bottroper Apotheker-Skandals gezeigt hat, bei dem vermeintlich über 60.000 Mal Krebsmedikamente gefälscht worden sein sollen.

Wie in der Lebensmittel- oder Logistik-Branche kann die Blockchain helfen, die Herkunft und Verarbeitung entlang der Liefer- und Herstellungskette zu dokumentieren. Dabei wird das physische Produkt mit einem digitalen und fälschungssicheren Eintrag in der Blockchain verknüpft, der sich in einem Zahlencode manifestiert. Dieser Zahlencode kann mit jedem Herstellungsschritt mit dem Produkt verbunden bleiben, um bei der Produktion vor Fälschungen und minderwertigen Rohstoffen zu schützen. Noch wichtiger ist die Sicherung der Lieferkette in der Weitergabe des fertigen Produkts von Händler zu Händler und dem Verkauf an den Endkunden.

Patienten-Identifikation mit der Blockchain 

Ein Thema, das im öffentlichen Sektor schon diskutiert wird, ist die elektronische Identifikation mittels der Blockchain. Ein solches System könnte im Healthcare-Bereich genutzt werden, um Patienten eindeutig zu identifizieren. Das hochsensible Gebiet der klinischen Studien ist ein weiterer möglicher Anwendungsfall, bei dem die Blockchain Sicherheit und Transparenz bieten kann, auch was die strengen regulatorischen Richtlinien angeht.