29.09.2021

Klassische Wasserfallprojekte sind in einer immer digitaler werdenden Welt einfach nicht mehr zeitgemäß. Die digitale Transformation bringt eine derartige Beschleunigung in die Entwicklung von Technologien, Produkten und Märkten, dass Sie einen Weg finden müssen, ihre Ideen schnell zu entwickeln und zu verproben. Genau da kommen Design Sprints ins Spiel. 

Das Konzept stammt von Google 

Die Ursprungsidee hinter dem klassischen Design Sprint wurde von Google Ventures entwickelt. Ziel ist es, jeweils mit einem kleinen Team innerhalb weniger Tagen einen testbaren Prototypen zu entwickeln. 

My best work happened when I had a big challenge and not quite enough time.”Jake Knapp, Erfinder der Methode  

Ein Sprint komprimiert die gesamte Prozesskette – von der Bewältigung einer geschäftlichen Herausforderung über die Entwicklung von Lösungen bis hin zum Bau eines funktionsfähigen Prototypen und dem Testen mit echten Kunden – auf weniger als eine Woche. Dabei geht es nicht nur um die größtmögliche Effizienz, sondern auch darum, Silos im eigenen Unternehmen aufzuweichen und gewachsene Strukturen hinter sich zu lassen. Langfristig betrachtet fördern Design Sprints die Entwicklung eines Problemlösungs-Mindsets und nutzerzentriertes Denken.

Fünf Tage, sieben Teammitglieder 

Design Sprints folgen einem festen Schema, das auch schon bei dessen Vorbereitung zum Tragen kommt: Ein interdisziplinäres Team muss aufgestellt werden, bei dem mindestens ein*e Strateg*in, ein Product Owner und eine entscheidungsbefugte Person dabei sein sollte, um die Management-Ebene im Boot zu haben. Das räumliche Setup trägt ebenfalls entscheidend zum Erfolg bei. Auch wenn ein Design Sprint im Bezug bewusst ergebnisoffen angelegt ist, geht es nicht ohne Vorbereitung: Grenzen Sie zunächst die Challenge, aufgrund derer Sie den Design Sprint überhaupt durchführen, auf jeden Fall genau ein. Sie muss groß genug sein, um Freiheit bei der Ideenfindung zu ermöglichen, gleichzeitig aber überschaubar genug, dass ein Management-Buy-In für eine entwickelte Lösung realistisch ist. Mindestens genauso wichtig ist eine präsentierfähige Datenbasis, die Sie vor dem Design Sprint schaffen sollten. Dazu gehören z. B. Themen wie Customer Journeys und Value Propositions. Ohne dieses aggregierte Wissen laufen Sie sonst Gefahr, Ihre Ideen beim eigentlichen Sprint nicht überprüfen zu können.

Tag 1: Ideation

Hier geht es zunächst darum, das zu lösende Problem im Detail zu verstehen. Dabei werden im Team möglichst alle Blickwinkel beleuchtet, z. B. anhand von Experteninterviews. Anschließend wird, basierend auf diesen Erkenntnissen, ein Ziel des Sprints definiert und zu erreichende Milestones festgehalten. Dieses Ziel ist der Polarstern, an dem das Team seine Aktivitäten während des Sprints ausrichtet. 

Danach beginnt die Ideenfindung, die sogenannte “Ideation-Phase”, in der Lösungsideen entworfen werden. Techniken können beispielsweise das klassische Brainstorming sein, ebenso wie Lightning Demos oder die “Crazy 8”-Methode, bei der innerhalb von acht Minuten acht Ideen pro Teammitglied entworfen werden. Die Qualität der Ergebnisse ist in dieser Phase ausdrücklich irrelevant, es geht vor allem darum, möglichst viele Ideen zu entwickeln. 

Design Sprints eignen sich für unheimlich viele Anwendungsszenarien. Für Medizinprodukte zum Beispiel investieren wir besonders viel Zeit auf User Research im Vorfeld, denn in diesem speziellen Fall geht es immer auch um Risikominimierung für die Nutzer*innen. Dafür müssen wir sichergehen, dass wir den Nutzungskontext genau verstehen, um anschließend erste User Journey Maps zu erstellen.”Katharina Bihn, Senior UX Designer, TWT Digital Health 

Tag 2: Entscheiden

Nach Abschluss der Ideation-Phase werden die gescribbelten Lösungen im Plenum diskutiert – und zwar unter Einbeziehung aller Stakeholder. Im Anschluss trifft der Product Owner auf Basis dieser gemeinsamen Bewertung die Entscheidung, welche Ideen tatsächlich als Prototyp umgesetzt werden.Anschließend werden die losen Ideen-Schnipsel zu einer einheitlichen Blaupause für den Prototypen zusammengesetzt. In diesem sogenannten Storyboard wird direkt die Customer Journey mitgedacht, damit darauf basierend mit der Umsetzung des Prototypen begonnen werden kann.  

Tag 3: Prototyping 

Jetzt geht’s ans Eingemachte: Basierend auf dem Storyboard kann bereits an Tag drei mit dem Bau des Prototypen begonnen werden. Bei diesem kann es sich um simple, digitale Clickdummies handeln, es sind aber auch andere Varianten möglich:“Prototypen können aber auch als Rollenspiele daherkommen”, sagt Christian Tewes, Teamlead Design bei TWT. “Was zunächst vielleicht albern klingt, eignet sich hervorragend zur Überprüfung von Anwendungsszenarien und sogar für Pitch-Vorbereitungen.” Gegen Ende des dritten Tages wird bereits die Testing-Situation vorbereitet und als Generalprobe für den nächsten Tag durchgespielt. 

Tag 4: Testing 

Es geht an’s Eingemachte. Der Nutzertest wird an Tag vier mit mindestens fünf Proband*innen durchgeführt. Dabei sind – egal ob remote oder live – in der Regel nur der*die jeweilige Proband*in und der*die Interviewer*in aus dem Sprint-Team anwesend. Das Team ist jedoch eingeladen, den Test entweder aus einem anderen Raum heraus oder per Videostream zu beobachten. Nach den Tests werden selbige ausgewertet und die Learnings daraus konsolidiert. Alle Teammitglieder des Design Sprints erhalten die verschriftlichte Dokumentation, inklusive konkreter Handlungsempfehlungen. Darauf basierend können dann weitere Schritte unternommen werden. 

Fazit: 

Design Sprints versprechen Unternehmen fast aller Branchen den schnellen Proof-of-Concept (PoC), sollten in ihrer Komplexität aber auch nicht unterschätzt werden. “Die Sprints machen großen Spaß, sind effektiv, sparen Ressourcen und schweißen Teams innerhalb kurzer Zeit zusammen”, sagt Patrick Thomas, Head of Creative Operations bei TWT. “Trotzdem handelt es sich dabei um einen geregelten Prozess, dessen Struktur nicht ohne Grund so klar umrissen ist. Die größte Herausforderung für die Moderator*innen von Design Sprints ist, sowohl die Zeit als auch die Rahmenbedingungen im Auge zu behalten. Bei dieser Methode geht es darum, strukturiert kreativ zu sein.” 

Nicht zwingend steht am Ende eines Design Sprint übrigens ein freigegebener Prototyp. Es kann durchaus passieren, dass die Rohversion im Testlauf nicht ankommt oder nicht so funktioniert, wie gedacht. Trotzdem: So haben Sie die Gewissheit nach wenigen Tagen und nicht erst nach mehreren Monaten harter, teurer Arbeit. 

Sie wollen mehr über Design Sprints erfahren? Unsere Expert*innen helfen Ihnen gern weiter – auch bei der Durchführung.