Der ROAS beantwortet nur eine sehr begrenzte Frage: Wie viel Umsatz wurde einer Werbeinvestition zugeschrieben? Was er nicht beantwortet, ist mindestens ebenso relevant. Wie profitabel war dieser Umsatz tatsächlich? Welche Kosten sind nach dem Klick entstanden? Welche Kundenbeziehungen wurden aufgebaut – und welche nur teuer erkauft? In einer Omnichannel-Welt mit fragmentierten Touchpoints, unvollständiger Attribution und steigender Automatisierung greift diese eindimensionale Betrachtung zu kurz.
Wenn Kennzahlen Kontrolle suggerieren, wo nur Korrelation gemessen wird
Das strukturelle Problem liegt nicht in der Kennzahl selbst, sondern in ihrer Wirkung. ROAS suggeriert Kontrolle, wo oft nur Korrelation gemessen wird. Er bewertet Effekte, nicht Ursachen. Besonders kritisch wird das in einer Welt, in der KI-basierte Gebotsstrategien einen Großteil der operativen Entscheidungen übernehmen. Algorithmen optimieren exakt auf das Ziel, das man ihnen vorgibt. Wer Umsatz bestellt, bekommt Umsatz. Unabhängig davon, ob dieser Umsatz Marge hat, langfristig bindet oder strategisch sinnvoll ist.
In der Praxis führt das zu paradoxen Situationen. Kampagnen mit hohem ROAS werden skaliert, obwohl sie überwiegend Bestandskunden ansprechen oder Nachfrage abschöpfen, die ohnehin vorhanden war. Neukundengewinnung erscheint ineffizient, weil sie kurzfristig schlechtere Kennzahlen liefert. Marketing wird so nicht wertorientiert gesteuert, sondern vergangenheitsfixiert optimiert. Das Ergebnis ist ein System, das kurzfristig stabil wirkt, langfristig aber an Substanz verliert.
Der Perspektivwechsel: Wertschöpfung statt Umsatzrelation
Genau hier setzt der Gedanke des Customer Relationship Profitability Score an. Statt Marketing ausschließlich an Umsatzrelationen zu messen, wird der Fokus auf tatsächliche Wertschöpfung gelegt. Der CRPS betrachtet nicht nur, was ein Kunde kauft, sondern was er dem Unternehmen real einbringt. Umsatz allein reicht nicht aus. Entscheidend ist, was nach Abzug aller relevanten Kosten übrig bleibt.
Die zugrunde liegende Logik ist bewusst einfach gehalten: Umsatz im Verhältnis zu Akquisitionskosten, Bindungskosten und Produktkosten. Diese Perspektive verändert die Steuerung grundlegend. Ein Kunde, der häufig kauft, aber hohe Retouren verursacht oder nur margenschwache Produkte erwirbt, verliert an Attraktivität. Ein Kunde mit selteneren, aber hochprofitablen Käufen gewinnt an strategischem Wert. Marketing hört auf, Volumen zu jagen, und beginnt, Wert zu priorisieren.